Sauna für die Mietwohnung

Schwäbische.de

Wirtschaft

Gerhard Bläske
Sauna für die Mietwohnung
Sauna für die Mietwohnung
Sauna für die Mietwohnung
 (Foto:
Klafs
)

Ravensburg sz Der Saunamarkt in Deutschland ist relativ begrenzt. Der typische Kunde hat ein Einfamilienhaus. Hat er einmal eine Sauna gekauft, dann war es das. Marktführer Klafs aus Schwäbisch Hall hat mit Wohnungsmietern jetzt eine neue Kundengruppe für sich entdeckt:

„Eine Sauna hält fast ein Leben lang. Wir geben zehn Jahre Garantie“, sagt Stefan Schöllhammer, Geschäftsführer des Marktführers Klafs. Dementsprechend ist der Markt in Deutschland rückläufig: Innerhalb von 15 Jahren schrumpfte das Volumen von jährlich 20 000 auf 16000 Saunakabinen. „Angesichts der Expansion der Immobilienpreise ist für viele der Kauf eines Hauses nicht mehr drin“, erklärt Schöllhammer, der das damals kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen vor 25 Jahren übernommen hat.

Schöllhammer setzt auf Qualität und Innovationen um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Bis auf einen Standort in Polen wird ausschließlich am Firmensitz in Schwäbisch Hall produziert. Für interessierte Kunden gibt es einen Chat im Internet, eine Call-back-Funktion und selbstverständlich kann man sich die Wunsch-Sauna im Internet konfigurieren.

Sauna im Schrank

Und er expandiert. Mit der „S1“ hat das Unternehmen seit Kurzem ein Angebot, das eine neue Kundengruppe erschließen könnte: Wohnungsmieter. Denn die Sauna ist nur so groß wie ein Schrank: Auf Knopfdruck lässt sie sich in wenigen Sekunden ausfahren. Diese Sauna ist nicht gerade billig. Denn sie ist extrem komplex, verfügt über ein Abluftmodul mit Wärmetauscher und einen Kondensatabscheider, damit die Feuchtigkeit nicht in den Raum gelangt. Nach einer langen Entwicklungszeit ist die „S1“ erst seit Kurzem auf dem Markt, leistet laut Schöllhammer aber schon einen „nennenswerten Ergebnisbeitrag“.

Mit Innovationen wie dieser, die bisher nur Klafs anbietet, versucht das 1928 von Erich Klafs als Großhandel für medizinische Bädertechnik gegründete Unternehmen seinen Markt zu erweitern und neue Kundengruppen zu erschließen. Jährlich drei bis fünf Prozent des Umsatzes von zuletzt 103 Millionen Euro fließen in die Forschung und Entwicklung: In neue Produkte wie die „S1“, in eine Salzinhalation („Microsalt“) oder in die „Sonnenwiese“. Und auch die Digitalisierung hat längst Einzug in die Saunawelt gehalten. Die Produkte sind natürlich per Smartphone steuerbar. Saunen steuern etwa zwei Drittel zum Umsatz bei. Der Rest wird mit hochwertigen Wellnessbereichen, Ruheliegen, „Schneeparadiesen“, Entspannungsräumen, Whirlpools oder Schlammbädern erwirtschaftet. Der individuelle Einbau in Kreuzfahrtschiffe wie die Aida, in Jachten oder in Hotels und Wellnessbäder in Europa, Amerika, im Nahen Osten oder in Russland sei oft sehr aufwändig, sagt Schöllhammer.

Hauptmarkt für Klafs ist Deutschland, wo 52 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden und sich etwa 30 Anbieter tummeln, angefangen von Baumärkten über Discounter wie Lidl bis hin zu den Markenherstellern. Schöllhammer gibt den Klafs-Marktanteil für den Heimatmarkt, wo das Marktvolumen bei 120 Millionen Euro liege, volumenmäßig mit 20 Prozent und wertmäßig mit 35 Prozent, an.

Weitere wichtige Märkte sind laut Schöllhammer Österreich, die Niederlande, Polen und die Schweiz. Großes Potenzial sieht der Geschäftsführer auch noch in Frankreich. Trotz der politischen Krise, die die Nachfrage dämpfe, ist auch Russland ein wichtiger Markt für Klafs. Auch Skandinavien, wo der Branchenzweite Tylö-Heelo beheimatet ist, sei ein wichtiger Markt. Viele Saunen würden dort, vor allem in Finnland, bereits von vornherein in Wohnungen und Häusern eingebaut. Rund 60 Prozent der Erlöse erzielt Klafs mit Privatkunden.

Angesichts der Innovationen wie der ausfahrbaren Sauna „S1“ und der Erschließung neuer Märkte geht Schöllhammer für Klafs in diesem Jahr von einem „leichten Wachstum“ aus.

Ihr Kommentar zum Thema