EZB bereitet Märkte auf straffere Geldpolitik vor

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Wirtschaft

Andreas Knoch
EZB bereitet Märkte auf straffere Geldpolitik vor
EZB-Chef Mario Draghi.
EZB-Chef Mario Draghi.
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Ravensburg sz An den Finanzmärkten wetten die Akteure auf einen schnelleren Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der sehr lockeren Geldpolitik. Anlass für den Stimmungsumschwung gab das am Donnerstag veröffentlichte Protokoll der EZB-Sitzung von Mitte Dezember 2017. Darin steht in verklausulierten Worten, dass die Euro-Währungshüter die Märkte möglicherweise schon bald an eine straffere Geldpolitik gewöhnen wollen.

Der EZB-Rat sei mit großer Mehrheit der Auffassung, dass die Kommunikation graduell angepasst werden müsse, sollte sich das Wirtschaftswachstum fortsetzen und sich die Teuerungsrate dem Inflationsziel von zwei Prozent annähern, hieß es in dem Papier. Die Formulierungen hinsichtlich der Ausrichtung der Geldpolitik und des geldpolitischen Ausblicks könnten Anfang des kommenden Jahres angepasst werden. Der geldpolitische Ausblick – die sogenannte Forward Guidance – ist ein wichtiges Instrument der EZB, um die Finanzmärkte frühzeitig auf kommende geldpolitische Schritte vorzubereiten.

Bislang kauft die EZB für monatlich 30 Milliarden Euro Anleihen der Euroländer. Im vergangenen Jahr lag das monatliche Volumen noch doppelt so hoch. Im Oktober hatte die EZB jedoch angesichts der guten Wirtschaftslage beschlossen, die Käufe ab Jahresbeginn zu reduzieren. Sie sollen aber noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden.

Einige Analysten rechnen nun damit, dass die EZB womöglich schon gegen Ende des Jahres einen ersten Zinsschritt in Erwägung ziehen könnte, zumindest aber die monatlichen Anleihekäufe nicht über den Septembertermin hin ausdehnen werde. „Der Markt interpretiert das so, dass die Notenbank den Wortlaut ihres Statements im Januar ändern könnte“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortlaut. „Der Hinweis zur möglichen Aufstockung oder Verlängerung der Anleihekäufe könnte gestrichen werden.“ Die nächsten Zinssitzungen der EZB sind am 25. Januar und am 8. März.

Der Euro reagierte umgehend nach der Veröffentlichung des Protokolls und zog gegenüber dem US-Dollar deutlich an. Am Freitag knüpfte die Gemeinschaftswährung nahtlos an die Gewinne des Vortags an und stieg erstmals seit drei Jahren wieder über die Marke von 1,21. Damit haben die zahlreichen exportorientierten deutschen Unternehmen im neuen Jahr mit Wettbewerbsnachteilen zu kämpfen, denn ein starker Euro kann ausgeführte Güter außerhalb der Eurozone teurer machen.

Der die Erwartungen der Währungshüter übertreffende Konjunkturaufschwung im Euroraum wurde am Donnerstag durch positive Wachstumszahlen aus Deutschland untermauert: So stieg das Bruttoinlandsprodukt auf Basis vorläufiger Schätzungen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent und damit so stark wie seit 2011 nicht mehr. Zudem war die Industrieproduktion in der Eurozone im November stärker gestiegen als erwartet.

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