Friedrichshafen: Der Kampf um die Spitze ist neu entbrannt

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Christian Schyma
Der Kampf um die Spitze ist neu entbrannt

VfB-Mittelblocker Jakob Günthör lässt dem Berliner Block keine Chance. In den vergangenen Jahren war diese Partie meistens das Finale. Der Supercupsieger und der amtierende Meister haben nun mächtig Konkurrenz bekommen.
VfB-Mittelblocker Jakob Günthör lässt dem Berliner Block keine Chance. In den vergangenen Jahren war diese Partie meistens das Finale. Der Supercupsieger und der amtierende Meister haben nun mächtig Konkurrenz bekommen.
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Guenter Kram
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Friedrichshafen sz Glaubt man den Experten, können sich die Volleyball-Fans hierzulande auf die seit vielen Jahren spannendste Saison der Männer-Bundesliga freuen. „Ich glaube, der Kampf um die Spitze wird zwischen vielen Mannschaften ausgetragen“, sagt beispielsweise Kaweh Niroomand, Manager der Berlin Volleys. Neben dem amtierenden Meister meldet der frisch gebackene Supercup-Gewinner VfB Friedrichshafen natürlich berechtigte Ambitionen an. Aber auch Verfolger wie die United Volleys RheinMain, die Powervolleys Düren, die SVG Lüneburg oder auch die neu formierten AlpenVolleys haben ihr Spielerpotenzial qualitativ deutlich gesteigert.

Gerade erst haben die United Volleys mit dem japanischen Nationalspieler Issei Otake einen Diagonalangreifer internationaler Klasse verpflichtet – ein Beleg für den guten Ruf der Bundesliga speziell auch nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft in Polen. Nicht zuletzt wegen des 21-jährigen Japaners könnten die Hessen in dieser Saison wieder ein Titelkandidat sein und den Abstand zu den beiden Top-Teams weiter verringern. Schon in der vergangenen Saison zwangen die Frankfurter den späteren Meister aus Berlin im Halbfinale in ein Entscheidungsspiel über fünf Sätze. „Da hat nicht viel gefehlt“, weiß auch Manager Hening Wegter. „Spätestens in zwei Jahren wollen wir im Finale um die Deutsche Meisterschaft stehen. Gerne natürlich auch früher.“ Auch international sammelte die Mannschaft zuletzt im CEV-Pokal bis zum Einzug ins Halbfinale reichlich Erfahrung. Der Kader jedenfalls ist neben Otake prominent besetzt – unter anderem mit Vize-Europameister Tobias Krick, den Volleyball-Weltenbummlern Sebastian Schwarz und Patrick Steuerwald, dem Australier Lincoln Williams, Ex-Häfler Adrian Aciobanitei oder Neuzugang Moritz Karlitzek. Außenangreifer Sebastian Schwarz, 32 Jahre alt, soll eine Korsettstange bilden. „Er bringt viel Selbstbewusstsein, Ruhe und Qualität aufs Spielfeld“, lobt sein Trainer Michael Warm. „Damit gibt er den jungen Spielern um sich herum die nötige Sicherheit, zu zeigen, was sie drauf haben.“

Traditionell oben mit dabei sind die Powervolleys Düren, die Co-Trainer Stefan Falter zum neuen Chef beförderten und mit sechs neuen Akteuren in die Saison starten. Als Regisseur soll der belgische Nationalspieler Stijn D'Hulst die Fäden ziehen, aus Estland kommt Außenangreifer Karli Allik. Und mit Dirk Westphal kehrte ein alter Bekannter zurück in die Bundesliga. Ob die Powervolleys diesmal ein gewichtiges Wort um den Titel mitreden können, könnte das ambitionierte Auftaktprogramm mit dem Duell gegen Berlin, bei Angstgegner Lüneburg, gegen RheinMain und bei den Alpen Volleys zeigen.

Apropos Alpen Volleys. Die ungewöhnliche, weil länderübergreifende Volleyball-Ehe zwischen dem TSV Unterhaching und Hypo Tirol Innsbruck stieß hierzulande nicht überall auf positives Echo. So fürchten einige Vereine die Konkurrenz im Kampf um die begehrten Play-off-Tickets. Unabhängig davon hinterließen die Alpen Volleys Haching jüngst beim Sieg gegen den TSV Herrsching eine erste Duftmarke – auch dank Diagonalangreifer Rudy Verhoeff, der aus Düren kam, dem brasilianischen Mittelblocker Pedro Frances, Trainer-Sohn Stefan Chrtiansky junior sowie dem polnischen Außenangreifer Igor Grobelny. „Es kribbelt schon“, verriet Manager Hannes Kronthaler, der gespannt ist auf den „interessanten Lernprozess“. Einen eigenen Song gibt’s jedenfalls schon – mit dem zukunftsweisenden Titel: „Wir schreiben Geschichte!“

Ganz cool und gelassen hat sich ein Team aus dem Norden an die Spitze der Volleyball-Bundesliga herangepirscht – auch dank des stets besonnenen Trainers Stefan Hübner, der als langjähriger Nationalspieler die Sprache der Spieler kennt. Der Erfolg gibt ihm Recht: Vor zwei Jahren zog die SVG Lüneburg ins Pokalfinale gegen den VfB (0:3) ein, erreichte in der vergangenen Saison das Play off-Viertelfinale. Und lehrte dabei so manchem Gegner in der „Gellersenhölle“ das Fürchten. Abzuwarten bleibt, wie das Team den Abgang der Leistungsträger Scott Kevorken (zum VfB) und Carlos Sabate (nach Spanien) verkraftet. Richten sollen es die Neuzugänge Tyler Koslowsky (Libero), Noah Baxpöhler (Mittelblock), Roy Ching (Annahme), Giijs van Solkema (Zuspiel), Ray Szeto (Annahme) und Ryan Sclater (Diagonal). Beim 3:2 jüngst im Testspiel gegen Berlin deutete die SVG bereits ihr Potenzial an.

Mit gemischten Gefühlen

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Berlin Recycling Volleys blicken nach dem verlorenen Supercup-Duell gegen den VfB und einer eher durchwachsenen Vorbereitung – geprägt von Verletzungen und Einsätzen in Nationalmannschaften – mit gemischten Gefühlen auf den Saisonauftakt: Doch der neue, als extrovertiert geltende Coach Luke Reynolds kann vielleicht den entscheidenden Rückenwind geben. Sorgen bereitet dem 31-jährigen Australier aber vor allem sein Mittelblock, bei dem häufig improvisiert werden musste.

Georg Klein hat die Seiten gewechselt, soll nun statt bei den Häflern in der Hauptstadt die Angriffe abblocken. Kyle Russel bietet auf der Diagonalen eine Alternative zu Paul Carroll, der niederländische Nationalspieler Daan van Haarlem im Zuspiel eine weitere zu Sebastian Kühner. Und in der Annahme deutete Adam White im Supercup bereits seine Qualitäten an.

Die großen Unbekannten der Liga sind die Bergischen Volleys, hinter denen sich der letztjährige Aufsteiger aus Solingen Volleys verbirgt. Bis weit in die übliche Vorbereitungsphase hinein noch ohne Personal, präsentierte das Manager-Duo Helmut Weissenbach und Daniel Mey Anfang September plötzlich einen Neuner-Kader inklusive Co-Trainer Oliver Gies.

Und mit Johan Isacsson sogar den schwedischen Nationalcoach. Was sein Multi-Kulti-Team mit den Aus- traliern Samuel Boehm und Gerrard Lipscombe zu leisten imstande ist, wird vielleicht schon das Auftaktmatch gegen Lüneburg verraten.

Am Wochenende startet die Volleyball-Bundesliga in die neue Saison. Die SZ hat in einer kleinen Serie die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Heute: die vielen Favoriten.

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