Bad Saulgau: Defensiveres Denken bringt den Aufschwung

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Defensiveres Denken bringt den Aufschwung

Daniel Rothmund (M.) ist einer der Gewinner der Vorrunde. Fast nahtlos schaffte der den Sprung von einem Kreisliga-A-Absteiger in die Mannschaft des Landesligisten FC Ostrach. Auch Fabian Riegger (links) und Simon Fischer (rechts) trugen ihren Teil dazu bei, dass der FCO die zweitbeste Landesligavorrunde seiner Vereinsgeschichte spielte.
Daniel Rothmund (M.) ist einer der Gewinner der Vorrunde. Fast nahtlos schaffte der den Sprung von einem Kreisliga-A-Absteiger in die Mannschaft des Landesligisten FC Ostrach. Auch Fabian Riegger (links) und Simon Fischer (rechts) trugen ihren Teil dazu
 (Foto:
Archiv- Thomas Warnack
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Ostrach sz Bereits am 17. Februar, also am Samstag nach dem Ende der Fastnacht - sollte es Wetter und Platzverhältnisse zulassen - startet der FC Ostrach in die zweite Saisonhälfte mit dem Nachholspiel gegen den TSV Berg. Zweite Saisonhälfte ist nicht ganz richtig, denn aufgrund von drei Spielausfällen bislang hat der FC Ostrach erst 14 Partien auf dem Konto und muss in der eigentlich kürzeren, zweiten Saisonperiode im Jahr 2018 insgesamt noch 18 Partien austragen.

Situation: Der FC Ostrach belegt zum Start ins neue Kalenderjahr Rang neun. Mit 22 Punkten und einem Torverhältnis von 17:26. Neben Kehlen ist der FC Ostrach damit die einzige Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte, die ein negatives Torverhältnis hat. Zum vergleichbaren Zeitpunkt der Vorsaison, also nach 14 absolvierten Spielen, hatte Ostrach 29 Punkte gesammelt und ein Torverhältnis von 34:24. In die Winterpause 2016/2017 ging Ostrach mit 36 Zählern und 42:27 Toren auf Rang zwei. Die Zahlen der laufenden Saison verdienen einen zweiten Blick, denn so einfach wie in Jahren, in denen alle Mannschaften mit derselben Anzahl Spiele in die Winterpause gehen, fällt der Vergleich nicht. Die Werte müssen ins Verhältnis zu den Spielen gesetzt werden. Denn Ostrach hat bis zu drei Spiele weniger absolviert als die Konkurrenz.

Vorrunde: Bis zum jetzigen Zeitpunkt absolvierte Ostrach gerade mal 14 Spiele, zwei Vorrundenpartien fehlen noch (Heimspiel gegen Eschach, Auswärtsspiel in Heimenkirch). Trotzdem bringen die 22 Punkte den FC Ostrach auf Rang acht der Vorrundentabelle - Altheim liegt in der Hinrundentabelle noch hinter Ostrach, zog aber durch den 7:1-Erfolg in Mietingen im ersten Rückrundenspiel in der Gesamttabelle vorbei.

Taktik: Wie schon immer beim FC Ostrach: sehr variabel. Die Saison begann die Mannschaft eigentlich mit der ähnlichen Grundordnung wie die vergangene: 4-2-3-1, mit zwei Sechsern und einer Dreierreihe davor, die aber nicht ganz so offensiv ausgerichtet war, wie unter Miroslav Topalusic. Doch als in der Mitte der Vorrunde sich einige Spieler verletzten und ausfielen und auch die Ergebnisse ausblieben, stellten Lukas Maier und Simon Kober um und setzten auf eine verstärkte Defensive. Im Mittelfeld rotierte die Mannschaft auch während der Spiele kräftig.

Stärken: Das zeigt ein Blick auf die Zahlen. Während Vorgänger Mirolsav Topalusic auf bedingungslose Offensive setzte und ein Spiel lieber mit 3:2 oder 4:2 gewann als mit 1:0 oder 2:0 setzten seine Nachfolger auf dem Trainerposten eher auf „Sicherheit zuerst“. Zwar stand der FC Ostrach zum vergleichbaren Zeitpunkt des Vorjahrs hinsichtlich des Gegentorschnitts ein bisschen besser da (2016/17: 1,71; 2017/18: 1,86), doch wenn man berücksichtigt, dass Ostrach 16 seiner 26 Gegentore in vier Spielen (Berg (6), Laupheim (3), Weiler (3), Ochsenhausen (5)) fing, relativiert das die Bilanz. Und: Gleich fünfmal spielte Ostrach in 14 Spielen zu null (Vergleich: vor einem Jahr gerade einmal). Den Abwehr-Bestwert der Liga hält Laupheim (0,93 Gegentore pro Spiel).

Schwächen: Ganz klar: die Offensive. Gerade mal 17 Törchen schossen die Zebras in den 14 Partien, macht 1,21 Tore pro Spiel. Das bedeutet Platz 14, nur Balingen II (1,13), Straßberg (0,93), und die TSG Ehingen (0,75) sind ungefährlicher. Zum Vergleich: Den Bestwert der Liga hält der TSV Berg mit 2,86 Treffern pro Spiel, noch vor Spitzenreiter Laupheim (2,6). Ostrach trifft in fünf Spielen gerade sechs Mal. Zu selten. Im Vorjahr betrug der Schnitt unter Topalusic 2,43, - drittbester Angriff der gesamten Liga. Doch Maier/Kober setzten zuletzt verstärkt auf die Defensive. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Personal: Immer wieder mussten Lukas Maier und Simon Kober in der Hinrunde ihre Formation verändern: Verletzungen, Krankheiten, Urlaube. Und trotzdem, oder gerade deshalb gelang es ihnen, junge Spieler einzubauen. Daniel Rothmund ist ein Beispiel. Er hat in kürzester Zeit den Sprung aus der Kreisliga A in die Landesliga geschafft. Ein weiteres Talent ist Ladislav Varady, der sein Potenzial aber (noch) zu selten abruft, oder - wie gegen Friedrichshafen - zu fehleranfällig ist. Doch es ist das Privileg der Jugend, Fehler machen zu dürfen. Die Hoffnungen auf mehr Alternativen in der Offensive ruhen auch auf Janik Streich, den nach überwundener Krankheit zuletzt eine Grippe erwischte. „Aber wir hoffen, dass er bald ins Training zurückkehrt“, sagt Kober. Streich ist wie ein Neuzugang zu werten, also ähnlich wie der einzige echte Neuzugang des Winters, Andreas Zimmermann, der auf Leihbasis vom SC Pfullendorf kam, um Spielpraxis zu sammeln (die SZ berichtete). „Andreas hat sehr gute Ansätze. Er wird uns weiterhelfen und wir denken, dass er durchaus eine Alternative im zentralen Mittelfeld sein kann“, sagt Kober . Außerdem kehrt Gregor Knäpple aus Weithart zurück.

Schwer treffen dürfte den FC Ostrach der Abgang von „Capitano“ Christoph Rohmer, der zum FSV Hollenbach wechselte (die SZ berichtete). Diese Lücke dürfte nicht zu schließen sein, höchstens über die mannschaftliche Geschlossenheit. Ein Nachfolger im Amt werde in den nächsten Tagen von den Trainern bestimmt, sagt Simon Kober. Der Kader wird zudem durch den Abgang von Patrick Klotz (zum FC Mengen) ausgedünnt. Trotzdem: Der Kader verfügt über genug Klasse. Auf der Torhüterposition ist die Mannschaft doppelt besetzt, mit Thomas Löffler und Raphael Vetter. Letzterer spielte bis zu seiner Verletzung eine herausragende Saison und könnte Löffler nahtlos ersetzen. Prunkstück ist die routinierte Abwehr und mit Dieter Styben kehrt ein Langzeitverletzter ins Training zurück. In der Offensive war in der Vorrunde noch Luft nach oben, aber Eugen Michel und Co. wissen wie’s geht. Das haben alle Beteiligten schon bewiesen.

Vorbereitung: Seit Dienstag, 9. Februar, ist die Mannschaft wieder im Training. In fast voller Mannschaftsstärke. Nur Michael Eisele, derzeit im Rahmen eines Auslandssemesters in Australien und Neuseeland unterwegs, fehlt noch, soll aber Ende Februar wieder zum Kader stoßen. „Die Mannschaft ist voll motiviert gestartet, auch einige Spieler, der zweiten Mannschaft waren zum Auftakt dabei“, sagt Kober. Das Trainerduo hat fünf Testspiele vereinbart: FV Bad Saulgau (Sa., 13. Jan., 14.15 Uhr, Bad Buchau Kunstrasen), Hundersingen (Sa., 20. Jan., 14 Uhr, Neufra/D., Kunstrasen), SpVgg. F.A.L. (Sa., 27. Jan., 14 Uhr, Bad Buchau, Kunstrasen), SSV Ehingen-Süd (Sa., 3. Feb., 13 Uhr, Ehingen, Kunstrasen), FV Neufra/D. (Mi., 14. Feb., 19 Uhr, Neufra/D., Kunstrasen).

SZ-Prognose: Es wird ein strenges erstes Halbjahr für den FC Ostrach, der 18 Spiele bis zum Saisonende am 9. Juni austragen muss. Dennoch dürfte der Klassenerhalt zu schaffen sein, trotz fünf direkter Absteiger. Fünf Punkte Vorsprung haben die Zebras derzeit auf den Relegationsplatz, sechs Punkte liegen sie vor dem ersten direkten Absteiger. Gewinnen die Schwarz-Weißen zwei ihrer drei Nachholspiele, klettern sie rechnerisch bis auf Platz fünf. Der FC Ostrach schafft ein weiteres Mal den Klassenerhalt und geht 2018/2019 in seine sechs Landesligasaison.

Das sagen die Trainer: Simon Kober, der mit Lukas Maier das Trainergespann bildet, sagt: „Natürlich sind wir mit der Punkteausbeute sehr zufrieden. Zu Saisonbeginn der Saison lief es nicht so gut, obwohl die Ergebnisse stimmten, aber spielerisch war es nicht das, was wir uns und was sich die Mannschaft vorgestellt hat. Dann hatten wir eine schwächere Phase, auch von den Ergebnissen. Wir haben dann das System umgestellt, haben defensiver gespielt, auch mal abgewartet und versucht, aus einer sicheren Abwehr zu spielen. Natürlich hat das auch gedauert, bis sich die Mannschaft auch daran gewöhnt hatte. Aber dann kamen die Ergebnisse, gerade gegen Ende und besonders beim 2:0-Sieg in Oberzell hat die Mannschaft stark gespielt. Insgesamt sind wir zufrieden. Es war die zweitbeste Vorrunde in der Landesligageschichte des Vereins.“ Die schwierige Phase zu Beginn der Saison sieht er realistisch. „Natürlich ist es nach so einem erfolgreichen Jahr nicht immer ganz einfach, daran anzuknüpfen. Das ist natürlich auch eine Kopfsache, immer 100 Prozent zu bringen. Es waren einige Spieler in Urlaub, das ist auch mal zu akzeptieren und nachvollziehbar. Außerdem hat uns mit Alexander Klotz natürlich ein wichtiger Spieler gefehlt, der in der Vorrunde der Vorsaison viele Tore gemacht hat. Trotzdem war die Punkteausbeute am Ende in Ordnung.“ Natürlich haben nun die Abgänge, insbesondere von Christoph Rohmer, den Kader geschwächt. „Natürlich liegt unsere Stärke derzeit eher im defensiven Bereich. Mit Johannes Irmler, Stefan Hornstein und Fabian Riegger haben wir da eine über Jahre hinweg schon eingespielte Defensive. Aber auch ein junger Spieler wie Daniel Rothmund, der ja vom FV Weithart, von einem Kreisliga-A-Absteiger kam, hat auf Anhieb überzeugt.“ Weitere junge Spieler sollen in der Rückrunde ihre Chance erhalten. „Sicher haben wir gegen Ende der Vorrunde wieder verstärkt mit den Stammkräften aus den vergangenen Jahren gespielt, das heißt aber nicht, dass die jungen Spieler weit weg sind. Deshalb hat der Verein ja auch so entschieden. Diese jungen Spieler braucht der Verein in den nächsten zwei, drei Jahren und sie müssen spielen, um ihre Entwicklung weiter zu fördern, auch wenn einigen Spielern in den entscheidenden Situationen vielleicht noch die Cleverness fehlt. Auch da sollen die jungen Spieler in der Rückrunde dazulernen. Wir wollen in der Rückrunde wieder mehr selbst das Spiel gestalten. Aber das ist natürlich mit einem größeren Aufwand verbunden, auch konditionell. Aber generell ist das ja das Spiel, das der Mannschaft Spaß macht.“ Auch Kober weiß, dass die Rückrunde an die Substanz gehen wird, angesichts der Nachholspiele. „Das wird sicherlich eine anstrengende Runde. Unser Ziel ist es, möglichst früh den Klassenerhalt zu schaffen.“ (mac)

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