Ravensburg: Bergs Waterloo heißt Waltersbühl

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Bergs Waterloo heißt Waltersbühl

Kein Durchkommen gab es für Bergs Stürmer (Dominik Bentele, rechts) gegen Wangen (Armin Küchle und Luis Metzen).
Kein Durchkommen gab es für Bergs Stürmer (Dominik Bentele, rechts) gegen Wangen (Armin Küchle und Luis Metzen).
 (Foto:
Josef Kopf
)

Wangen at Derbysieger, Derbysieger, hey, hey – Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“ – die Spieler des FC Wangen tanzten am Samstagnachmittag im Kreis und feierten ausgelassen ihren 4:0-Sieg im Verbandsliga-Derby gegen den TSV Berg. Der Dreier gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf war für die Allgäuer sportlich immens wichtig und natürlich Balsam auf die Seele, schließlich war man beim Hinspiel mit 0:6 untergegangen.

„Das Ergebnis war zu deutlich, aber man hat heute gespürt, dass die ganze Mannschaft den Sieg wollte“, sagte Wangens Kapitän Simon Wetzel nach dem Spiel, „das hat man über 90 Minuten gemerkt.“ Die Mannschaft habe ein gutes Beispiel abgegeben, wie man im Abstiegskampf spielt. „Wir schauen jetzt von Woche zu Woche, auf das 4:0 brauchen wir uns nichts einbilden“, sagte Wetzel weiter, wohlwissend, dass Wangen immer noch auf dem Relegationsplatz steht, drei Punkte fehlen zum rettenden Ufer.

Große Niedergeschlagenheit auf der anderen Seite, auch die Berger versammelten sich kurz zum Kreis und suchten dann schnell den Weg in die Kabine. Was der TSV an diesem Nachmittag erlebt hat, glich einem Offenbarungseid im Abstiegskampf. Denn trotz des Trainerwechsels in der Woche vor dem Spiel traten die Schwächen des Teams wieder einmal offen zu Tage. Bergs Waterloo heißt Waltersbühl, könnte man sagen, es ist kaum zu erwarten, dass sich der TSV von diesem Rückschlag nochmal erholt. Bei strömendem Regen und kalten Temperaturen hielten die Berger auf dem Kunstrasen 50 Minuten lang zwar gut mit, waren streckenweise sogar besser, dann fiel die Mannschaft aber innerhalb von vier, fünf Minuten zusammen wie ein Kartenhaus. 50./52./54. Minute – Elfmeter, Torwartfehler, ausgekontert – und schon stand es 0:3 aus Berger Sicht, so präsentiert sich ein Absteiger.

Vor allem die individuellen Fehler haben dem TSV dabei wieder einmal das Genick gebrochen, und das hatte sich im Spielverlauf angedeutet. Schon in der ersten Halbzeit ließ der TSV nach einem Fehler im Spielaufbau Wangens Torjäger Thomas Maas alleine wegziehen, doch der wollte die Einladung (noch) nicht annehmen und scheiterte am gut reagierenden Berger Torhüter Sebastian Willibald. In der zweiten Hälfte sucht Wetzel im TSV-Strafraum den Kontakt und Berg tut ihm den Gefallen in Form einer Berührung (Elfmeter, 1:0), dann schießt Willibald beim Klärungsversuch (eines Rückpasses) Maas an, der Ball fällt hinten ins eigene Tor (2:0), bei einem Konter lässt sich Berg rechts hinten überlaufen, Flanke, Tor (3:0).

„Bei der ersten Chance habe ich zu lange nachgedacht“, sagte Maas zu seiner vergebenen 1000-prozentigen in Hälfte eins, „dass es dann so gut klappt, hätte ich nicht zu träumen gewagt.“ Denn die Treffer zwei bis vier markierte der FCW-Stürmer, der mittlerweile zehn Tore auf dem Konto hat und auf Platz zehn der Verbandsliga-Torjäger steht. Respekt, schließlich spielt Maas bei einem Abstiegskandidaten. „Es war ein super Tag, heute haben wir uns für unsere Arbeit belohnt“, sagte Maas.

Nicht belohnt wurde am Samstag die Entscheidung des TSV Berg, doch noch den Trainer zu wechseln. Am Mittwoch vor dem Spiel wurde Adnan Sijaric entlassen, Spielertrainer Tim Rainbow und Michael Wohlfarth übernahmen ab Donnerstag das Ruder. Sicher wenig Zeit, um Entscheidendes zu verändern, aber der erhoffte Effekt, dass die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigt nach einem Trainerwechsel, blieb aus. Es bleibt aber spannend, was das neue Trainer-Duo für die restlichen (immerhin zehn) Saisonspiele noch aus dem Hut zaubern kann. „Schön spielen ist nicht wichtig, wichtig ist, dass wir erfolgreich spielen“, sagte Michael Wohlfarth. „Wir müssen viel arbeiten, für uns ist es eigentlich schon eine Minute nach zwölf. Wir müssen schauen, wie wir trotzdem die Stimmung hochhalten.“

Vielleicht lichtet sich ja auch noch das Lazarett des TSV Berg, denn in Wangen waren etwa mit Jan Biggel und Silvio Battaglia die beiden besten Offensivkräfte nich dabei, auch Daniel Abdullahad fehlte. „Wir wollen die Niederlage aber nicht auf die Ausfälle schieben“, sagte Tim Rainbow, „unser Kader hat das Niveau.“ Auch Rainbow selbst konnte am Samstag wegen einer Brochitis nicht von Anfang an auflaufen und wurde erst in der zweiten Hälfte eingewechselt.

Berg braucht jetzt jedenfalls einen extrem starken Endspurt und fast schon ein kleines Wunder, um den Klassenerhalt noch zu schaffen. Wangens Trainer Adrian Philipp, selbst fast neun Jahre in Berg tätig, würde es begrüßen: „Ich freue mich zwar über den Sieg, aber es tut auch ein bisschen weh“, sagte Philipp, „mir wäre es lieber, beide Teams hätten 15 Punkte mehr. Ich hoffe, dass beide Mannschaften in der Liga bleiben.“

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