Friedrichshafen: Beachvolleyball-Duo vom See ist auf WM-Kurs

Schwäbische.de

Sport Lokal

Tom Bloch
Beachvolleyball-Duo vom See ist auf WM-Kurs
Ihnen ist in Gstaad das Wasser nicht zu reichen: Julia Sude (links) und Chantal Laboureur.
Ihnen ist in Gstaad das Wasser nicht zu reichen: Julia Sude (links) und Chantal Laboureur.
 (Foto:
Conny Kurth
)

Gstaad sz Der eiskalte Gebirgsbach hat die kurz zuvor heiß gelaufenen Sandathletinnen vorübergehend wieder eingefangen und nebenbei auch gleich den klebrigen Siegessekt abgewaschen. Mit dabei: Die Goldmedaillen sowie die obligatorischen Kuhglocken, die bei der Siegerehrung im Jetset-Bergdorf im Berner Oberland standesgemäß an die Gewinner verteilt werden. So wie der Sekt aus der Flasche schäumte, genau so sprudelte es aus den beiden Beachvolleyballerinnen Chantal Laboureur und Julia Sude (MTV Stuttgart/VfB Friedrichshafen) heraus.

„Wir haben mit den Tschechinnen zuvor und mit den Brasilianerinnen im Endspiel zwei Teams geschlagen, die wir bislang auf der World Tour noch nie schlagen konnten“, jubelten beide. Neben der Siegprämie von 40 000 Dollar, 1200 Punkten für die Weltrangliste und natürlich den Kuhglocken sorgte der zweite World-Tour-Triumph der Karriere nebenbei auch für eine Verbesserung im ewigen Duell mit Brasilien: Seit Bestehen der World Tour des Volleyball-Weltverbandes (FIVB) hat es bisher 20 Finalspiele zwischen Deutschland und Brasilien, dem Mutterland des Beachvolleyballs, gegeben. Im 21. Duell erhöhten Laboureur/Sude die Bilanz auf 7:14. Larissa Franca Maestrini und Talita da Rocha Antunes hatten nach 2015 und 2016 ihre dritte Gstaad-Goldmedaille in Folge im Visier. Doch die Weltranglisten-Ersten scheiterten an den Weltranglisten-Zweiten aus Stuttgart mit 18:21/20:22. Laboureur/Sude zeigten sich, wie im gesamten Turnierverlauf, in bester Spiellaune – und in den entscheidenden Phasen überaus abgeklärt.

Alles abverlangt

Dabei wurde dem Stuttgarter Duo bereits im Halbfinale wenige Stunden zuvor alles abverlangt. Dort ging es gegen die Lokalmatadoren Joana Heidrich/Anouk Vergé-Depré in dem über einstündigen Thriller über drei Sätze, ehe Chantal Laboureur den sechsten Matchball verwandelte. Mit einem 2:1-Erfolg (15:21, 23:21, 20:18) sicherten sie sich den Finaleinzug. „Das war unglaublich anstrengend. Und dennoch hatten wir noch die Kraft für das Finale“, meinte Laboureur. Dabei half auch die familiäre Unterstützung. „Meine Mutter hat gesagt, wenn wir am Samstag noch im Turnier sind, dann fahren sie spontan her. Und Julias Familie wohnt zum Teil in Gstaad. Dazu noch ein paar Freunde, und schon hatten wir unseren eigenen Fanblock.“ Einen weiteren Motivationsschub gab es durch die Ansage von Trainer Ricardo „Vento“ Brunale de Andrade. Der verkündete, sich bei einem Turniersieg seiner Schützlinge die Haare zu färben. „Wir werden natürlich dafür sorgen, dass er dies auch wahr macht“, bekräftigte Chantal Laboureur forsch.

Die zweite World-Tour-Goldmedaille in der Karriere der Weltranglisten-Zweiten begann mit dem Vorrunden-Gruppensieg in dem höchst gelegenen Turnier (1050 Meter) der Serie. Das Auftaktmatch im Pool F gegen Ekaterina Birlova/Nadezda Makroguzova aus Russland hatten die Stuttgarterinnen mit 2:0 (21:16, 21:17) in 31 Minuten gewonnen. Am Mittwoch früh um 8.30 Uhr war also schon die erste Ernte eingefahren.

Wenige Stunden später hatten Emily Stockmann/Kimberly Dicello aus den USA keine Chance gegen die Weltranglisten-Zweiten und unterlagen 17:21 und 12:21 in 33 Minuten. Am Donnerstagvormittag war das Duell mit April Ross/Lauren Fendrick aus USA auch kein größeres Problem und mit 2:0 (21:16, 21:17) in 35 Minuten gewonnen. Die Belohnung für diese eindrucksvolle Serie: Gruppensieg sowie eine Runde Erholungspause, während der kommende Gegner für das Achtelfinale ausgespielt wurde.

Dies wurde am Freitagmorgen das neuformierte Duo Brandie Wilkerson/Heather Bansley aus Kanada, die ebenfalls mit 0:2 (16:21, 18:21) aus dem Rennen geworfen wurden. Dann ging es im Viertelfinale gegen Barbora Hermannová/Marketa Slukova, gegen die Laboureur/Sude bislang noch nie gewinnen konnten. Diesmal klappte alles, die Niederlage der Tschechinnen war mit 15:21/14:21 sogar relativ deutlich. „In den vergangenen Monaten hatten wir viel Druck, das haben wir jetzt aber abgeschüttelt“, sagte Julia Sude.

Nicht viel Zeit zum Feiern

Abgeschüttelt, und abgewaschen, im Gebirgsbach, was zugleich der Start in die ausgelassene Goldmedaillenfeier im Kreis der Familie und mit Freunden war. Gefeiert wurde aber nur kurz, denn für Sonntagmorgen stand schon der Flug nach Los Angeles im Programm. Kommende Woche nehmen Laboureur/Sude am erstmals ausgespielten „President’s Cup“ des amerikanischen Verbandes in Long Beach (13. bis 16. Juli) teil. Bei dem Einladungsturnier mit acht Frauen- und acht Männerteams der Weltspitze sowie einigen US-Teams geht es um 50 000 Dollar Preisgeld für das Siegerteam. Zudem dient der „President’s Cup“ im diesjährigen relativ dünnen Turnierkalender als weiterer Vorbereitungspunkt für die Weltmeisterschaft Ende Juli in Wien.

Ihr Kommentar zum Thema