Friedrichshafen: AlpenVolleys Haching wollen die Liga aufmischen

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Christian Schyma
AlpenVolleys Haching wollen die Liga aufmischen
VfB-Diagonalangreifer Daniel Malescha versucht den Zweierblock von Hypo Tirol zu überwinden. In der neuen Bundesligasaison treffen die Häfler Volleyballprofis erstmals auf die AlpenVolleys.
VfB-Diagonalangreifer Daniel Malescha versucht den Zweierblock von Hypo Tirol zu überwinden. In der neuen Bundesligasaison treffen die Häfler Volleyballprofis erstmals auf die AlpenVolleys.
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Archiv: gkr
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Haching/Innsbruck sz Manchmal scheint wirklich nichts unmöglich. Der FC Bayern München sucht eine neue sportliche Herausforderung, schießt seine Tore fortan in Spaniens Primera Division. Und Borussia Dortmund startet in der englischen Premier League, feiert dort ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Jürgen Klopp. Eine undenkbare Vorstellung? Im Fußball sicherlich, im deutschen Volleyball aber durchaus machbar. Dank einer Wildcard spielt der TSV Unterhaching ab der kommenden Saison wieder in der Bundesliga – eine grenzübergreifende Kooperation mit dem österreichischen Meister Hypo Tirol Innsbruck macht die Rückkehr des TSV drei Jahre nach seinem Bundesliga-Abschied möglich. Die Hypo Tirol AlpenVolleys Haching werden als Novum in die Historie der Volleyball-Bundesliga eingehen – und auch als Novum im deutschen Spitzensport.

2014 hatten sich die Hachinger nach 14 erfolgreichen Jahren im Volleyball-Oberhaus vom Spielbetrieb abgemeldet. Nach dem Rückzug des damaligen Hauptsponsors, dem Versicherungskonzern Generali, sah sich der Verein außerstande, weiterhin Volleyball auf allerhöchstem Niveau präsentieren zu können. Schließlich hatte das Team aus dem Münchner Süden dreimal in Folge den DVV-Pokal gewonnen, war zwischen 2009 bis 2012 dreimal deutscher Vizemeister und lehrte dabei auch Serienmeister VfB Friedrichshafen in schöner Regelmäßigkeit das Fürchten. Ganz zu schweigen von der mehrmaligen Qualifikation für die Champions League.

Doch für den damaligen Trainer Mihai Paduretu, heute Geschäftsführer des Vereins, gab es nur eine Richtung: „Entweder ganz oder gar nicht.“ Jahrelang und beinahe rund um die Uhr hatte sich der Rumäne mit dem Vorstand im Großraum München auf Sponsorensuche begeben. Ohne Erfolg. „Das war, ist und bleibt hier in München ein ganz schwieriges Unterfangen“, sagt Paduretu, der sich seitdem mit gleich großem Engagement und Enthusiasmus der Förderung des Hachinger Volleyball-Nachwuchses verschrieben hatte. Anfang März war es, da wurde Volleys-Manager Hannes Kronthaler aus dem 135 Kilometer entfernten Innsbruck erstmals mit der Idee einer Kooperation in Unterhaching vorstellig. „Bei uns stand nach 20 Jahren die Frage im Raum“, erzählt Kronthaler, „ob wir das Erreichte nur noch verwalten oder ob es noch eine andere Motivation gibt.

Da kam die Möglichkeit, eine Wildcard lösen zu können, gerade richtig.“ Was gar nicht mal so überraschend für Mihai Paduretu kam. Schließlich pflegte der TSV schon seit vielen Jahren enge Kontakte mit dem österreichischen Nachbarn. Zudem gab es während dieser Zeit zahlreiche, gegenseitige Besuche gerade im Jugendbereich.

Kooperation für drei Jahre

Die künftige Zusammenarbeit ist auf drei Jahre angelegt und soll die Alpenregion in ungeahnte Volleyball-Höhen schmettern. Das Konstrukt ist einfach: Beide Vereine behalten ihre eigenständigen Zweitliga-Teams und Nachwuchs-Mannschaften, haben für die Bundesliga eine Betriebs-GmbH gegründet. Der finanzielle Background ist gegeben, Sponsor der AlpenVolleys ist die Hypotirol Bank mit einem Etat von rund 1,1 Millionen Euro. „Wenn man irgendwann mal Champions League spielen möchte“, so Hannes Kronthaler, „dann ist Österreich zu klein. Und Deutschland hat die viertstärkste Liga in Europa, hier will man Volleyball weiterentwickeln.“ Und in anderen Ländern und Sportarten sei eine länderübergreifende Kooperation doch schon alltäglich – wie bei Eishockey in den USA und Kanada. „Nur das kann die Zukunft sein.“

„Waren zu stark für die Liga“

Mihai Paduretu formuliert jedenfalls schon mal klare sportliche Ziele: „Im ersten Jahr Platz eins bis fünf, dann unter die ersten drei und im dritten Jahr ins Finale.“ Trainings- und Wohnort der Spieler wird Innsbruck sein, das bedingt allein schon die Wohnsituation der beiden Städte. „Versuchen Sie mal, im Raum München 15 Wohnungen für die Spieler zu finden. Unmöglich“, schmunzelt der 50-Jährige. Etwa ein Drittel der Heimspiele werden im ersten Jahr im Münchener Süden ausgetragen. Vier Spieler stammen aus dem Meisterkader der Österreicher, das übrige Gerüst soll in Kürze präsentiert werden. Als Übergangstrainer fungiert Stefan Chrtiansky senior.

„Uns war klar, dass wir sportlich gesehen etwas ändern müssen. Wir waren zu stark für die Liga, haben gewonnen, auch wenn wir schlecht gespielt haben.“ Die Zuschauer hätten sich mehr und mehr gelangweilt, zu den Heimspielen waren nicht mehr als 200 gekommen. In der Qualifikation zur Champions-League-Saison 2016/17 gegen den VfB Friedrichshafen im November des Vorjahres war das anders, da strömten mehr als 2000 Fans in die Olympiahalle. „Wir müssen den Leuten was Besseres anbieten.“ Der Verein hatte seine Fühler auch schon mal Richtung Italien ausgestreckt, doch dort gab es Probleme mit der Ausländerregelung. In Deutschland stieß man dagegen auf offene Ohren. „Wir haben einen starken Sponsor, der TSV die Basis. Damit starten wir eine neue Ära in beiden Vereinen.“

„Keine Schwierigkeiten“

Fusionen rufen jedoch gerade im Sport schnell die Kritiker auf den Plan. „Es gab in beiden Vereinen aber überhaupt keine Schwierigkeiten, keine kritischen Stimmen,“ betont Mihai Paduretu. Für den früheren Erfolgscoach wird es allerdings kein Comeback auf der Trainerbank geben. „Ich habe das über 20 Jahre gemacht, das muss reichen. Was ich jetzt mache, bereitet mir genauso großen Spaß. Mein Hobby ist der Volleyball.“ Und um dessen Zukunft geht es. „Wir müssen etwas an den Strukturen ändern. Nur wenn wir das schaffen, sehe ich eine Zukunft für den Sport.“

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