Sigmaringen: Eine Ära in Sigmaringen geht zu Ende

Schwäbische.de

Lokales

Zoller-Hof schließt zum Jahresende
Die Gaststätte Zoller-Hof wird umgebaut. Der Pächter Franz Kernler hört zum Jahresende auf.
Die Gaststätte Zoller-Hof wird umgebaut. Der Pächter Franz Kernler hört zum Jahresende auf.
 (Foto:
Sebastian Korinth
)

Sigmaringen sz In der Brauerei-Gaststätte Zoller-Hof geht eine Ära zu Ende: Der Pächter Franz Kernler will das Lokal an der Leopoldstraße aus Altersgründen zum Jahresende aufgeben. Gerüchte, das Lokal habe bereits zugemacht oder schließe demnächst, sind also nicht zutreffend. Bis zum Jahresende, 23. Dezember, läuft der Betrieb wie gewohnt.

Zusammen mit seiner Familie hatte Kernler den Zoller-Hof knapp 20 Jahre lange geführt. Aktuell ist der laufende Pachtvertrag nach Brauereiangaben noch nicht gekündigt, doch beide Seiten hätten sich auf eine Auflösung zum Ende des Jahres 2018 verständigt, sagt Brauerei-Chefin Claudia Sieben. Nach dem Abschied von Franz Kernler soll die Gaststätte grundlegend umgebaut werden. „Wir nutzen die Gelegenheit, das Konzept der Brauereigaststätte zu ändern“, sagt Sieben.

„Wo ich angefangen habe, da höre ich auch wieder auf. Das hätte ich mir nie vorgestellt“, sagt Kernler. 1966 hatte Kernler im damaligen Hotel Bären seine Lehre begonnen und nach drei Jahren abgeschlossen. „Ich bin jetzt seit 52 Jahren in der Gastronomie tätig“, erzählt Kernler. Er gehöre zum letzten Jahrgang, der noch nach der achten Klasse die Schule verlassen und dann mit 14 Jahren die Lehre begonnen habe.

Im März wird Kernler 66 Jahre alt, das reicht, um in den Ruhestand zu gehen. Jetzt machen die Kernlers erst einmal bis zum 29. Januar Urlaub und dann beginnt das Fasnetsgeschäft. Kernler selbst singt auch im Brunnenbergchor. Deshalb macht er sich auch schon Gedanken, wo denn im kommenden Jahr der Brunnenbergball stattfinden könnte, wenn der Zoller-Hof wegen Umbauten geschlossen ist. „Ich weiß auch nicht, was mit dem Lokal passiert“, sagt Kernler, aber für dieses Jahr bleibe alles beim Alten, einschließlich der Weihnachtsfeiern.

„Arbeit hat jeden Tag Spaß gemacht“

Er gehe natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand, „aber die Freude überwiegt“. Er habe nun Jahrzehnte von morgens bis spät nachts gearbeitet, aber es habe jeden Tag Spaß gemacht. „Ich bin an keinem Tag ins Lokal gekommen und habe gedacht, oh Gott, jetzt schon wieder“, lacht er. Vielleicht hätte er ja das 20. Jahr noch voll gemacht, aber nun habe ihm der Wunsch der Brauerei die Entscheidung abgenommen. Er freut sich, nun endlich mehr Zeit für sich und seine Hobbys zu haben und sich mehr um seine Enkelkinder kümmern zu können.

Kernler wohnt mit seiner Frau im zweiten Stock über der Gaststätte. Dort wir er zum Jahresende auch ausziehen. Er zieht dann nach Scheer, wo sich Kernlers ein Haus gekauft haben. Das Inventar der Gaststätte, sofern es ihm gehört wie zum Beispiel die Küche, will Kernler verkaufen. „Da ist in 18 Jahren ja einiges zusammengekommen“, sagt er.

Personal, das arbeitslos wird, weil er aufhört, hat Kernler nicht, nur eine Aushilfe, die auch schon aufhören wollte und nun das laufende Jahr noch bleibt. „Nur meine Frau sollte bis zur Rente noch ein wenig arbeiten, aber da findet sich auch was“, nimmt Kernler an.

Sicher ist, dass die Brauerei Zoller-Hof die Gaststätte weiterführen wird. Sicher ist auch, dass es nach dem Abschied der Familie Kernler keinen nahtlosen Übergang geben wird. „Ein Umbau bei laufendem Betrieb ist unwirtschaftlich“, sagt Claudia Sieben. Das Lokal wird also für eine noch unbestimmte Zeit geschlossen bleiben.

Wie das Konzept aussehen wird, das ist noch nicht entschieden. Laut Brauerei gibt es mehrere Gedankenmodelle, die die Chefin zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher erläutern möchte. Auf die Frage, ob die künftige Brauerei-Gaststätte den Weg in Richtung Erlebnisgastronomie einschlagen wird, wie es Brauereien in Zwiefalten, Bad Schussenried oder Meckatz schon seit Längerem praktizieren, antwortet sie: „In Kombination mit dem Zündapp-Museum ist sicher mehr möglich als ein reines Speiselokal.“

MEDIATHEK

ONLINE-PREMIUM
Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (4)
4
Beitrag melden

@3: Welche konkreten Beispiele gibt es in Sigmaringen, der

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
3
Beitrag melden

@2. Um der städtisch unterstützten SCHWARZGASTRONOMIE weiter an Aufschwung zu verhelfen ?

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
2
Beitrag melden

Wenn der Saal in der Brauereigaststätte Zoller Hof künftig nicht mehr zur Verfügung stehen wird, ist es höchste Zeit, dass man das ehemalige Soldatenheim wieder öffnet. Denn dort gibt es einen Saal, der entsprechend genutzt werden kann. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
1
Beitrag melden

Die Hiobsbotschaft des Tages.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!