Beuron: Stress durch Steinbruch

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Stress durch Steinbruch

Thiergarten sz Lärmbelästigung, 40-Tonnen-Lastwagen, die über enge Straßen rattern und Gäste, die entnervt abreisen – die Wirte im Donautal befürchten massive Beeinträchtigungen, wenn am Mittelberg in Thiergarten hochreine Kalke abgebaut werden sollen. Wie berichtet, will das Haus Prinz zu Fürstenberg am nördlichen Hang des Mittelbergs innerhalb von 25 bis 30 Jahren rund 200 000 Tonnen hochreine Kalke jährlich fördern. Das Regierungspräsidium Tübingen muss das entsprechende Zielabweichungsverfahren, das den Kalkabbau dort möglich macht, noch genehmigen – das Verfahren läuft zurzeit.

Armin Eha betreibt das Restaurant Käppeler Hof in Thiergarten, nur wenige Hundert Meter vom Mittelberg entfernt. „Seit Jahren heißt es, wir leben in einem Naturschutzgebiet – wir mussten auf dies und jenes Rücksicht nehmen. Doch jetzt ist auf einmal eine kleine Fläche in Thiergarten davon ausgenommen, da geht auf einmal alles – auch der Einsatz von 40-Tonnern“, kritisiert Eha. Die engen Straßen im Donautal seien für solch ein Verkehrsaufkommen – etwa 60 Lasterfahrten täglich – nicht ausgelegt.

Eha: Das vergrault Touristen

Der permanente Lärmpegel durch den Steinbruch in unmittelbarer Nachbarschaft vertreibe die Touristen, befürchtet der Wirt. Die Gäste, die zu Eha kommen, suchen die Ruhe und den Frieden der Natur des Donautals. Der Lärm des Steinbruchs werde diese Gäste vergraulen, befürchtet Eha – er rechnet mit deutlichen Einbußen. „Hier gibt es lauter kleine Betriebe, die sich etwas aufgebaut haben. Wir kämpfen mit den großen Touristikern vom Bodensee und aus Österreich. Solch ein Steinbruch kann einem wirklich das Genick brechen“, sagt Eha. Der Steinbruch werde zudem das Erscheinungsbild des Donautals verändern: „Es wird eine Wunde in die Natur geschlagen.“

Gäste fragen schon, wann der Steinburch kommt

Eva Frederick, die seit Februar dieses Jahres die Ferienwohungen auf dem Gutshof Käppeler vermietet, berichtet, dass sie bereits von Gästen darauf angesprochen worden sei, wann der Steinbruch denn komme.

Etwa 800 Meter Luftlinie vom Mittelberg entfernt betreibt Wolfgang Sessler den Gasthof Neumühle. „Bei uns im Tal verteilt sich der Schall ganz anders als auf dem freien Feld. Da hört man alles, selbst wenn eine Schaufel umfällt“, sagt Sessler. Als die Deutsche Bahn kürzlich Arbeiten zur Felsensicherung in der Region hat durchführen lassen, haben sich Sesslers Gäste bereits wegen des Lärms beschwert – bei einem Steinbruch werde der Krach noch schlimmer. „Die Leute kommen zu mir, weil sie dem Lärm der Stadt entfliehen wollen“, sagt der Wirt.

Krach, Staub, schlechte Bewertungen

Zudem befürchtet Sessler, dass bei ungünstigem Wind der ganze beim Steinbruch anfallende Staub genau auf seinen Gasthof zugeweht wird. „Alle im Donautal haben in den Tourismus investiert, es gibt viele Initiativen und kleine Betriebe. Uns nimmt man die Existenzgrundlage, wenn wir jetzt für Jahrzehnte neben so einer Großbaustelle leben sollen“, sagt der Wirt mit Blick auf die Zukunft. Sein Urgroßvater hatte die Wirtschaft im Jahr 1919 gegründet, 2010 hat Wolfgang Sessler die Neumühle übernommen. „Krach, Staub und die damit verbundenen schlechten Bewertungen im Internet werden die Gäste vertreiben“, sagt der Wirt.

Interessengemeinschaft kämpft

Gegen den Steinbruch geht die Interessengemeinschaft pro Mittelberg/Thiergarten vor. Sie hat mittlerweile zwischen Laiz, Gutenstein und Thiergarten rund 50 Plakate aufgehängt. Auf denen steht: „Kein Kalkabbau im Natura-2000-Gebiet Oberes Donautal“. Zudem wurden Aufkleber hergestellt und eine Homepage eingerichtet.

Ende November 2016 hat die Interessengemeinschaft eine Resolution verabschiedet, die sich gegen das Vorhaben des Hauses Fürstenberg wendet. Es habe kürzlich Gespräche zwischen dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im baden-württembergischen Landtag, Andreas Schwarz, und den Steinbruchgegnern gegeben, berichtet Gerhard Stumpp von der Interessengemeinschaft. Schwarz habe gesagt, dass er kein Hindernis für eine öffentliche Informationsveranstaltung zu dem Thema sehe – die zuständigen Behörden hatten dies bisher immer abgelehnt, da es sich um ein laufendes verwaltungsinternes Verfahren handeln würde. „Das Natura-2000-Gebiet und der sanfte Tourismus im Donautal stehen dem Bedarf an hochreinen Kalken unvereinbar gegenüber. Wir glauben, dass der Bedarf an diesen Kalken auch anderswo gedeckt werden kann. Wir hoffen, dass unsere Argumente überwiegen und die Behörden das letztendlich genauso sehen“, sagt Gerhard Stumpp.

„Eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit ist sicher sinnvoll – allerdings ist es eine freiwillige Angelegenheit des Antragstellers, sein Projekt vorzustellen“, sagt die Sprecherin des Landratsamts, Sabine Stark. Wenn die Zuständigkeit zu einem späteren Zeitpunkt im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren beim Landratsamt liege und der Antragsteller die Öffentlichkeit über sein Vorhaben informieren wolle, beteilige sich das Landratsamt gerne an einer solchen Veranstaltung, um darzustellen, welche rechtlichen Aspekte vom Landratsamt im Genehmigungsverfahren geprüft und abgearbeitet werden.

Die Argumente der Interessengemeinschaft:

Die Interessengemeinschaft pro Mittelberg/Thiergarten www.pro-donautal.de hat eine Resolution gegen den geplanten Kalksteinabbau verabschiedet. Ihrer Ansicht nach sprechen vor allem diese Gründe gegen das Vorhaben:

- Die Notwendigkeit eines Kalkabbaus am Mittelberg in Beuron-Thiergarten sei bisher nicht ausreichend begründet worden.

- Alternativstandorte im Bereich des Landes Baden-Württemberg (Ostalb beziehungsweise Bereich Blaubeuren) seien bis jetzt nicht in ausreichender Tiefe überprüft worden. Dies gelte auch für ökologisch weniger sensible, potenzielle Standorte im Bereich der Gemeinde Stetten am kalten Markt.

- Der geplante Abbau hochreiner Kalke soll im Natura-2000-Gebiet Obere Donau erfolgen. Das ökologische Verschlechterungsverbot in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten ist aus Sicht der Interessengemeinschaft mit diesem massiven Eingriff in eine sensible Landschaft nicht vereinbar.

- Die gute Entwicklung der vergangen Jahre im Bereich des sanften Tourismus im Naturpark Obere Donau würde mit diesem Projekt massiv aufs Spiel gesetzt.

- Der Mittelberg ist erdgeschichtlich als Umlaufberg der Ur-Donau Bestandteil des „Unesco Global Geopark“ der Schwäbischen Alb.

- Der Abtransport des Kalks mit schweren Lastwagen über die touristisch reizvolle Landesstraße 277 entlang der Donau mit ihren Engstellen und Felstunneln zwischen Thiergarten und Laiz stellt ein ungelöstes Problem dar.

 

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