Spaichingen: Schulleiter: Nahverkehrsplanung benachteiligt Spaichinger Gymnasium

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Schulleiter: Nahverkehrsplanung benachteiligt Spaichinger Gymnasium

Spaichingen sz Nicht nur der demografische Wandel lässt Schülerzahlen am Spaichinger Gymnaisum schrumpfen, sondern auch die Planung des Verkehrs, sagt der Schulleiter Michael Lamberty. Und er stellt eine zunehmende Verunsicherung der Eltern fest. Regina Braungart hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Lamberty, Sie sehen mit Sorge die Entwicklung der Schülerzahlen am Gymnasium. Wie sieht es aus?

Die Schülerzahlen gehen zurück. Wir haben das klar erkennbare Problem, dass sie bei den kommenden Fünfern unter 90 sinken. Diese Zahl brauchen wir aber für eine durchgängige Vierzügigkeit, sonst müssen wir die Klassen zu drei riesigen Klassen zusammen legen.

Was sind die Ursachen? Der demografische Wandel?

Das Problem ist vielschichtig. Ganz stark spielt die Verkehrssituation hinein. Spaichingen wird vom Nahverkehr im Verhältnis zu den beiden anderen Gymnasiumsstandorten abgekoppelt. Mir sagen Eltern, dass sie die Schule als richtig für ihre Kinder ansehen, aber wenn sie nach Trossingen 15 Minuten mit dem Bus fahren, nach Spaichingen aber eine Stunde, dann geht das nicht. Wir verlieren aus Aldingen deshalb acht bis zehn Schüler. Das kostet uns die Vierzügigkeit.

Und die Folgen?

Wenn wir weniger Klassen haben, bedeutet das, dass wir weniger Stunden für den Ergänzungsbereich haben, bedeutet, weniger individuelle Förderung, weniger AGs und der Wegfall von kleineren Kursen. Die Zuweisung an personellen Ressourcen schrumpft rasant und damit das Angebot, das die Schule bieten kann. Weniger Klassen kann also bedeuten, dass Kollegen an andere Schulen im Umkreis abgeordert werden könnten. Weil überall Lehrermangel herrscht, wird überall mit spitzem Bleistift gerechnet. Umkreis heißt 50 Kilometer. Das ist auch für die Kollegen eine Zitterpartie. Und für den Schulleiter bedeutet es, dass es sehr schwer ist, das künftige Angebot abzuschätzen, bevor die Zahlen nicht klar sind. Für die Stadt bedeutet es weniger Zuweisungen vom Land.

Aber es gibt doch eine breite Initiative, das Verkehrsproblem zu lösen, was ist geschehen?

Wir haben die Aufforderung vom Nahverkehrsamt bekommen, den Unterricht 15 Minuten nach hinten zu verschieben, dann könnte es Verbesserungen geben. Das würden wir tun, aber wir haben um Klartext gebeten, also welche Ankunftszeiten damit verbunden wären, welche Abfahrtszeiten mittags, nachmittags und nach der zehnten Stunde. Ich habe keine Reaktion bekommen. Auch Gosheim wird besser bedient. Man kann davon ausgehen, dass es um eine riesige Benachteiligung unserer Schule geht.

Spielt die Diskussion um G 8 oder G 9 vielleicht bei den Schülerzahlen eine Rolle?

Nein, das ist gar kein Thema, denn G 9 geht nur, wenn durchgehend vierzügig gewährleistet ist. G 8 ist bei uns so gut eingespielt, dass es kein zurück zu G 9 braucht.

Spaichingen hatte G 8 ja schon viel länger als Modellversuch. Mir erschließt sich nach vielen Jahren der Beobachtung nicht, woher das Gejammere über G 8 kommt. Was meinen Sie?

Wenn wir unser Unterstützungssystem aufrecht erhalten können, können wir den individuellen Bedarf gut abfedern. Und auch zum Thema Stress: Die Klassen fünf bis neun haben maximal sieben bis acht Stunden Unterricht, kommen also zu einer Zeit heim, wo noch alle Freizeitangebote wahrgenommen werden können. Lediglich die Älteren haben an ein paar Tagen bis zum Abend Unterricht.

Aber die schaffen das gut, oder? Auch das Lernpensum ohne zur Lernmaschine zu werden?

Ja, natürlich schaffen sie es gut. Unser Jahrbuch zeigt, dass jede Menge zusätzlicher Angebote wahr genommen werden und sie haben durchweg noch Hobbys und sind in Vereinen aktiv. G 8 bedeutet schon, dass man den Tag bewusster einteilt.

Tut das alles den Kindern gut?

Ja, wir hatten erst die Fremdevaluation zu Zufriedenheit und dem Gefühl von Sicherheit in der Schule. Da liegen die Werte bei 95 Prozent. Aber ich konnte es fast nicht glauben, dass 100 Prozent der Lehrer sagten, dass sie die Kinder an dieser Schule sehr gerne unterrichten. Es herrscht ein sehr wertschätzender Umgangston. Natürlich wird es auch mal ruppig, aber insgesamt gehen die Kinder sehr nett miteinander um.

Aber was ist dann das Problem bei der Betrachtung der Eltern?

Es herrscht unter den Eltern große Verunsicherung, ob ihr Kind fürs Gymnasium geeignet ist. Aber seit Jahrzehnten gilt: Ein Kind mit einem Schnitt von 2,5 und besser ist ein Gymnasialschüler. Das scheint aus dem Bewusstsein geraten zu sein. Ich habe den Eltern angeboten, dass sie persönlich beraten werden. Ich führe zur Zeit ein bis zwei solche Beratungsgespräche pro Tag. Das gab es früher nie.

Vielleicht haben Eltern, die selbst Realschul- oder Hauptschulabschluss haben, Angst, sie könnten ihren Kindern nicht helfen?

Ja. Ich zeige den Eltern aber, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, gerade in Rechtschreibung oder Mathematik. Ich kann die Angst verstehen, aber sie ist unbegründet.

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Das Nahverkehrskonzept war und ist seit Anfang an darauf angelegt, den Verkehr auf die Schiene zu bündeln (größerer Zuschuss) und in Richtung Rottweil und Tuttlingen zu optimieren, sprich diesen beiden Städten einen Vorteil zu verschaffen.
Bereits mit der Einführung des Ringszuges stimmten Eltern u.a. vom Heuberg, aus Dürbheim und anderen Orten mit den Füßen gegen Spaichingen in Richtung Tuttlingen ab, da die Verbindung nach Spaichingen zu schlecht war.
Und der Streit, den gewisse Personen aus Spaichingen mit den Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft vor Jahren begonnen hatten, dürfte auch nicht gerade zur Stärkung des Standortes Spaichingen beigetragen haben.

Anscheinend wird die Ernte jetzt eingefahren. mehr

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