Sigmaringen: Onkel verklagt Neffen wegen eines Videos

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Onkel verklagt Neffen wegen eines Videos
Ein Familienstreit aus einer Gemeinde im Laucherttal ladet vor dem Sigmaringer Amtsgericht.
Ein Familienstreit aus einer Gemeinde im Laucherttal ladet vor dem Sigmaringer Amtsgericht.
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Sigmaringen sz Die Szene hat am Donnerstag vor dem Sigmaringer Amtsgericht eine Schlüsselrolle gespielt: Ein 19-Jähriger aus einer Laucherttalgemeinde sitzt in seinem Auto. Um das Auto herum stehen seine Tante und die beiden Onkel und reden aufgeregt auf ihn ein. Er hat Angst und filmt die Szene heimlich mit seinem Handy. Danach machte er eine oder mehrere Kopien davon und soll sie zumindest seinem Vater vorgeführt haben. Etwa zwei Jahre später zeigt ihn einer der Onkel, ein Lehrer, an, weil er sich wegen des Videos in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt sieht.

Der Familienstreit, bei dem es um das Erbe der Oma geht, hat schon zu mehreren Gerichtsverhandlungen geführt. An dem besagten Tag war der medizinische Dienst zu Besuch bei der Oma, um die Pflegestufe festzulegen. Der Vater des Angeklagten kümmerte sich um die Mutter. Die anderen Geschwister kamen hinzu, weil sie befürchteten, von der Mutter bei der Erbschaft nicht beachtet zu werden, und nochmal mit ihr reden wollten. Der Vater des Angeklagten ließ die anderen aber nicht ins Haus. Zwei Stunden später kam es dann zu der Szene mit dem Auto.

Inzwischen ist die Oma gestorben und hat in der Tat ihr ganzes Vermögen dem einen Sohn vermacht. Dementsprechend groß ist der Ärger der anderen. Sie halten den Bruder und seinen Sohn für missraten. Und die Tatsache, dass sie seinetwegen ent-erbt wurden, macht das Verhältnis nicht besser. Der Lehrer ist der Ansicht, der Neffe braucht eine ordentliche Lektion, doch das Gericht sieht die Sache anders und hat das Verfahren wieder eingestellt.

Zunächst spielte das Video keine Rolle. Doch da die Geschwister immer wieder vor Polizei und Gericht ihre Auseinandersetzung weiterführten, wollte zunächst die Polizei und dann auch die Staatsanwaltschaft es sehen. Inzwischen hatte der Angeklagte das Material vervielfältigt. Der Lehrer erfuhr davon und befürchtete, dass das Video manipuliert werden und schließlich auch noch im Internet landen könnte.

Aufnahme bei Freund versteckt

Vor Gericht sagte der inzwischen 21-Jährige, er habe nur eine einzige CD gebrannt und diese bei einem Freund versteckt. Auch versicherte er, dass es selbst diese eine Aufnahme nicht mehr gebe, sondern lediglich nur die, die bei den Gerichtsakten liege. Das wollten der klagende Onkel und der andere Bruder aber nicht glauben. „Das ist ein Lügner hoch drei“, sagte einer der Onkel am Rande der Verhandlung gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“. Bei der Polizei habe der Junge ausgesagt, dass es mehrere Kopien gebe. Das gehe eindeutig aus dem Protokoll hervor.

Im Raum stand die Frage, ob das achtminütige Video im Gerichtssaal vorgeführt werden soll. Doch Richterin Linda Blazko und Staatsanwältin Sarah Hausmann kamen zum Schluss, lieber darauf zu verzichten. Sie wollten Rücksicht auf den Lehrer und seine Empfindungen nehmen. Er selbst hatte es noch nicht gesehen. Im Einvernehmen mit der Staatsanwältin und Rechtsanwalt Marco Schiedt entschied die Richterin, das Verfahren einzustellen. Sie hielt dem Angeklagten zugute, dass er gleich eingeräumt habe, die Aufnahme gemacht zu haben und dass er einsehe, mit der Aufnahme und ihrem Verbreiten Unrecht getan zu haben.

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Etwa zwei Jahre später zeigt ihn einer der Onkel, ein Lehrer, an, weil er sich wegen des Videos in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt sieht. Spielt der Beruf des Onkels eine Rolle? Was wäre gewesen, wenn der Onkel bei einer Zeitung als Redakteur arbeiten würde? mehr

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