Eglofs: Jetzt gibt es Eglofser Wein

Schwäbische.de

Lokales

Vera Stiller
Jetzt gibt es Eglofser Wein
Karl Stiefenhofer (links) und Winzer Steffen Reith aus Gau-Bickelheim stellten im Badhaus den neuen Eglofser Wein „Kaisers Huld“ vor.
Karl Stiefenhofer (links) und Winzer Steffen Reith aus Gau-Bickelheim stellten im Badhaus den neuen Eglofser Wein „Kaisers Huld“ vor.
 (Foto:
vs
)

Eglofs sz Im renovierten Erdgeschoss des Badhauses wurde der im rheinhessischen Gau-Bickelheim gewachsene „Eglofser Wein“ mit dem schönen Namen „Kaisers Huld“ vorgestellt. Der Geschichts- und Heimatverein knüpft damit an eines der im 13. Jahrhundert verliehenen Privilegien an, das den Eglofser erlaubten, Wein auszuschenken.

Die Eglofser haben es schriftlich. Nachdem der Stauferkönig Friedrich II. 1243 von seinem Vasallen Hartmann von Grüningen die Grafschaft Eglofs erworben hatte, verlieh König Rudolf I. dem Dorf im Jahr 1282 die Rechte der Stadt Lindau. Die sich daraus ergebene Verfassung, an die sich die Eglofser 600 Jahre lang orientierten, besteht aus 40 Artikeln. Eine der formulierten Privilegien besagt, dass „jeder Eglofser Bürger Wein ausschenken darf“. Dem Gericht wurde eine Abgabe zuerkannt und eine Ordnung erlassen, die auch die Tavernen „im Linzgis und Eglofs Tal“ gelten sollte.

Wurde selbst Wein angebaut?

In einem Vortrag warf Karl Stiefenhofer, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, Fragen auf. Wurde im Allgäu Wein angebaut? Haben die Eglofser selbst angebauten Wein ausgeschenkt? Wie wurde Wein verkauft und gekauft? War Weinbau in und um Eglofs überhaupt möglich?

Stiefenhofer glaubte, dass trotz des wechselhaften Klimas Weinanbau möglich gewesen sei. Und er stützte sich auf die Aussage: „Die vielen Weintrauben an den Stadelwänden sind meiner Meinung nach Rückzugspflanzen aus dem ehemals bestehenden Anbau.“ Wobei er aber berücksichtigte: „Der von den Bauern angebaute Wein hatte gegen die von den Großhändlern angebotenen professionellen Weinen keine Marktchance. Seine Verwendung war die Versorgung für das Gesinde auf dem Hof.“

In mehreren Fällen, so Karl Stiefenhofer weiter, sei Wein als Bußgeld oder als Amtsgebühr verlangt worden. Zudem hätten Neubürger an der nächsten Fasnacht ein Viertel Wein zahlen müssen. Und zwar ein Teil davon dem Ammann, zwei Teile der Herrschaft. Wobei es sich dabei nicht um das klassische Viertele gehandelt habe, sondern um das vom Getreide her bekannte Hohlmaß Malter, das 15 Liter maß. „Es muss sich demnach um ein landwirtschaftliches Produkt der Eglofser Bauern gehandelt haben“, zeigte sich der Redner überzeugt, um zu mutmaßen: „Der Wein wurde nicht auf schönsten Lagen, sondern einfach immer in der Nähe vom Hof angebaut.“ Wie Stiefenhofer abschließend feststellte: „Das Privileg, Wein auszuschenken, diente also der Vermehrung der Einnahmen und der Stärkung der Bauern.“

Eglofs-Fahne im Weinberg

Dass es nun wieder einen Eglofser Wein gibt, das ist in erster Linie Karl Stiefenhofer zu verdanken. Durch verwandtschaftliche Beziehungen bekam er Kontakt mit dem Weingut Reith in Gau-Bickelheim. Bei einem Besuch im Rheinhessischen erfuhren er und einige Vereinsmitglieder von den hier praktizierten biologischen An- und Ausbaumethoden und wurden mit Steffen und Nina Reith einig. Die im Weinberg aufgestellte Eglofs-Fahne besiegelte die zukünftige Zusammenarbeit.

„Ich habe die beiden Weine so ausgesucht, dass sie für Eglofs passen“, sagte Winzer Reith und stellte Sankt Laurent und Grauburgunder vor. Nachdem alle Besucher den „eleganten Rotwein“ wie den „kräftigen Weißwein“ gekostet hatten, war man sich in der Runde einig: die Wahl hätte nicht besser ausfallen können. So können ab sofort die Gäste im Dorfstadel, aber auch die Kunden vom Getränkemarkt in Linzgis, von „Kaisers Huld“ profitieren.

Ihr Kommentar zum Thema