Weingarten: In 60 Jahren bis in die Bundesliga und zurück

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Maximilian Kroh
In 60 Jahren bis in die Bundesliga und zurück
Die Anlage des ESC mit Vereinsheim in der Haslachstraße (links). Rechts. Eisstockschießen in Weingarten. Das Foto stammt aus der „Schwäbischen Zeitung“ vom 7. Januar 1983.
Die Anlage des ESC mit Vereinsheim in der Haslachstraße (links). Rechts. Eisstockschießen in Weingarten. Das Foto stammt aus der „Schwäbischen Zeitung“ vom 7. Januar 1983.
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Fotos: Privat/archiv
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Weingarten kroh Angefangen hat es auf dem Weingartener Hechtweiher am Martinsberg. Knapp 60 Jahre später feierte der Eisstockschützenclub Weingarten anlässlich des langen Bestehens unlängst ein großes Fest im eigenen Vereinsheim in der Haslachstraße. In der Zwischenzeit ist viel passiert. So spielte der ESC zeitweise in der Bundesliga.

Gegründet hat den Verein im Herbst 1957 Josef Weißhaupt. Der gebürtige Bayer startete den Eisstock-Sport mit seinen Stammtischbrüdern im Winter auf dem Hechtweiher und einem kleinen Weiher in Unterankenreute. Die Eisstöcke waren zu diesem Zeitpunkt selbst gedrechselt und schon bald stellten sich für den ESC die ersten Erfolge ein. So gelang den Weingartenern 1962 der Gewinn der Württembergischen Meisterschaft in Schwenningen. Zwei Jahre später richtete der Eisstockschützenclub die Württemberg-Meisterschaften selbst aus – allerdings im Ravensburger Eisstadion. Auf dem Gelände des Stadtnachbarn sicherte sich der ESC erneut den Titel. 1965 baute der ESC beim Weingartener Schützenhaus eine eigene, allerdings nur provisorische Eisbahn, bevor die Vereinsmitglieder 1969 das Grundstück an der Haslachstraße pachteten. „Dort wurden dann Asphaltbahnen gebaut, damit sie auch im Sommer spielen konnten“, erklärt der heutige erste Vorsitzende Dieter Kesenheimer. Sommerstockbahn nennt sich das Ganze, 1972 wurde die Anlage eingeweiht. Dazu entstand bis 1979 ein eigenes Vereinsheim. Gesamtkostenfaktor damals: Knapp 450 000 Mark.

In dieser Zeit ging es auch sportlich bis ganz nach oben, weiß Kesenheimer: „In den 1970ern hat der ESC mehrere Jahre am Stück in der Bundesliga gespielt.“ Zum letzten Mal spielten die Weingartener 1983 in der höchsten deutschen Spielklasse. Kesenheimer selbst ist seit zwölf Jahren im Verein, 2011 übernahm er das Amt des Ersten Vorsitzenden vom langjährigen Vorstand Erich Pabst.

Es fehlen aktive Mitglieder

Mittlerweile sind die Weingartener Eisschützen nicht mehr im Ligabetrieb dabei, dazu fehlen momentan die aktiven Mitglieder. Trotzdem zählt der ESC noch an die 100 Mitglieder. „Ganze Teams kriegen wir im Moment aber nicht zusammen“, sagt Kesenheimer. „Dafür spielen wir immer wieder bei Turnieren mit.“ Besonders stolz sind sie beim ESC auf ihre komplette Anlage, die mitsamt Vereinsheim und Sommerstockbahn immer wieder renoviert wurde. Geht es nach dem ersten Vorsitzenden, soll in Zukunft aber wieder das Sportliche im Vordergrund stehen. „Wir sind in erster Linie ein Sportverein“, erklärt Kesenheimer. „Ohne den Sport bringt uns auch das Vereinsheim nichts.“

Damit es sportlich wieder bergauf geht, hat Kesenheimer einige Pläne: „Wir stehen mittlerweile in Kontakt mit den beiden Weingartener Hochschulen und wollen mit ihnen Sportangebote ins Leben rufen.“ Für die kommenden 60 Jahre hat der Vereinsvorsitzende zwei große Wünsche. Die Anlage soll weiter in Schuss gehalten werden und der Verein soll mehr Zulauf bekommen. Vielleicht klappt es dann auch bald wieder mit dem Spielbetrieb.

Im Eisstockschießen treten im Mannschaftsspiel zwei Mannschaften zu je vier Spielern gegeneinander an. Ziel ist es, seinen Stock möglichst nah an die „Daube“, einen Holzwürfel mit abgerundeten Ecken, zu schießen. Sie wird zu Beginn jedes Durchgangs, der sogenannten „Kehre“ auf das Mittelkreuz gelegt. Trifft ein Stock die Daube, aber diese bleibt im Feld, so wird ihre Position nicht verändert. Nur wenn die Daube das Spielfeld verlässt, wird sie zurück auf das Mittelkreuz gelegt. Gespielt werden insgesamt sechs Kehren. (kroh)

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