Pfullendorf: Adler in Pfullendorf steht zum Verkauf

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Sebastian Korinth
Hotel Adler steht zum Verkauf
Als Business-Hotel mit Eventgastronomie wird das Hotel Adler im Internet zum Kauf angeboten.
Als Business-Hotel mit Eventgastronomie wird das Hotel Adler im Internet zum Kauf angeboten.
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Sebastian Korinth
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Pfullendorf sz Nach mehr als 85 Jahren im Familienbesitz wollen sich Bernadette und Willi Nusser vom Hotel Adler in Pfullendorf trennen. Im Internet bieten sie die Immobilie für knapp zwei Millionen zum Kauf an. Über die Details sprechen wollten die beiden am Montag nicht – doch die Gründe für den Verkauf liegen auf der Hand.

Das Gebäude an der Heiligenberger Straße hatte Willi Nussers Großvater Wilhelm 1929 gekauft. In den folgenden Jahrzehnten waren darin unter anderem Kino -und Festsäle, eine Kegelbahn und eine Tanzbar untergebracht. Über die Region hinaus bekannt ist das Hotel heute vor allem für sein Restaurant „Felsenkeller“, das 1997 eröffnet wurde.

Jetzt stehen die 2000 Quadratmeter Gesamtfläche, von denen mehr als drei Viertel als Gastraum genutzt werden, zum Verkauf. Laut Objektbeschreibung verfügt das „sehr gut ausgelastete, renommierte Business-Hotel“ mit drei Superior-Sternen über sechs Einzel- und 18 Doppelzimmer, zwei Junior-Suiten und zwei Suiten. Verfügbar ab: sofort.

Werben für Pfullendorf

Mit dem Verkauf würden sich die Nussers auch vom Restaurant, dem Spiegelsaal, Parkplätzen und einer „einzigartigen Eventgastronomie in einem unterirdischen Sandsteingewölbe mit Cocktailbar“ (Felsenkeller) trennen. Hinzu kommen eine 120 Quadratmeter große Betreiberwohnung mit Sauna und eine 60 Quadratmeter große Panoramawohnung. Der Erwerb des gegenüberliegenden „Hauses am Gebsentor“, in dem sich 21 Zimmer befinden, sei optional zusätzlich möglich, heißt es.

Um möglichen Interessenten die Immobilie schmackhaft zu machen, werben Bernadette und Willi Nusser mit den Freizeitangeboten und der Lage der Stadt. „Der Hotelmarkt in Pfullendorf ist industrielastig, mit stark steigendem Anteil privater Gäste/Urlauber“, heißt es im Exposé. „Pfullendorf ist eine wachsende Stadt mit namhafter Industrie und weiterem Entwicklungspotenzial.“

Protest bleibt ohne Erfolg

Gegenüber der Schwäbischen Zeitung wollten sich Bernadette und Willi Nusser am Montag nicht zum Verkauf ihres Hotels äußern. Weshalb sie sich zu diesem Schritt entschlossen haben, dürfte dennoch kein Geheimnis sein: Vor ziemlich genau einem Jahr demonstrierte die 50-köpfige Belegschaft gegen die Ansiedlung eines neuen Hotels auf dem ehemaligen Bahnareal – ohne Erfolg.

Zurzeit wird auf dem Bahnareal das ehemalige ZG-Gebäude abgerissen. Nach dem Abbruch will die Stadt das Gelände an Investor Eberhard Riedmüller verkaufen. Dieser will das 110-Betten-Hotel errichten und im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude eine Gastronomie betreiben. 2018 sollen beide Projekte den Betrieb aufnehmen.

„Es geht um unsere Haut“, hatte Willi Nusser der SZ im März 2016 gesagt, nachdem er von den Plänen für ein Hotel auf dem Bahnareal erfahren hatte. Nach der Demonstration am 15. März wurde es eher still um den Geschäftsführer. Jetzt zieht er offenbar die Konsequenzen daraus, dass er dem Hotel-Neubau am Ende nichts entgegensetzen konnte.

Sollte der Verkauf des Hotels Adler gelingen, ginge bei der Familie Nusser damit eine jahrzehntelange Ära zu Ende. Allerdings hat sich der Geschäftsführer inzwischen auch ein zweites Standbein geschaffen: Mit der Firma Eagle Control hat er eine gleichnamige Software für das Rechnungswesen in der Gastronomie entwickelt.

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