Tettnang: Händler kämpfen um ihre Attraktivität

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Händler kämpfen um ihre Attraktivität

Josef Heim präsentiert die Marketing-Idee seines Bioladens für die Bauphase. Für Martina Weishaupt ist es wichtig, dass die Händler ihre Kundschaft mit solchen Aktionen direkt ansprechen.
Josef Heim präsentiert die Marketing-Idee seines Bioladens für die Bauphase. Für Martina Weishaupt ist es wichtig, dass die Händler ihre Kundschaft mit solchen Aktionen direkt ansprechen.
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Reichert
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Tettnang sz Es ist ein nächster Schritt in der Diskussion um die Baumaßnahmen in der Karlstraße: Nachdem einige Händler, Dienstleister, Gastronomen und Ladenbetreiber in einem Schreiben an die Stadtverwaltung eine Reihe an Forderungen, Fragen und Anregungen zur Neugestaltung formuliert haben, haben sich am Freitag ein Großteil derselben zum direkten Gespräch mit Bürgermeister Bruno Walter getroffen – eine Plattform für Information, Erfahrungsaustausch und Unmutäußerungen – knapp vier Wochen vor Baubeginn.

„Der Brief hat gezeigt, dass Unruhe da ist – der Termin heute ist vielmehr von Ihnen gesetzt, und das ist in Ordnung, zumal Ihre Existenzen daranhängen“, sagt Bürgermeister Walter bei dem Treffen in den Räumlichkeiten der Versicherungsagentur Zartl. Die Karlstraße sei Haupteinkaufsstraße, das Zentrum, das gehegt und gepflegt werden müsse. „Wir sind Jahrzehnte hinterher und werden dieses Jahr aufholen“, so Walter. „Das heißt aber für alle, die unmittelbar betroffen sind, dass dieses Aufholen zunächst schmerzlich ist.“ Ihm, der Stadt, dem Gemeinderat sei bewusst, dass die Bauphase mit Schwierigkeiten und Einschränkungen verbunden sei. Sven Empen spricht von mehr als Schwierigkeiten: „Manche haben extreme Existenzängste“, sagt er, spricht irgendwann von Umsatzeinbußen von 75 Prozent. „Viele haben schlaflose Nächte.“ Er wolle das mitgeben, wenn Diskussionen um Summen, die man ausgibt, geführt werden. 60000 Euro stehen für das Baustellenmarketing zur Verfügung. Organisatorisch laufe es über das Stadtmarketing, das verschiedene Maßnahmen bereits vorbereitet. Zugleich wird das Baustellenmarketing von der Cima Beratung und Management GmbH begleitet und moderiert – auf die rund ein Drittel des Budgets entfallen. „Wir starten mit 60000 Euro, wenn wir nachsteuern müssen, müssen wir das“, so Walter.

Händler kämpfen um Kunden

Gleichzeitig fordert er die Händler dazu auf – neben Aktionen des Stadtmarketings – selbst aktiv zu werden, sich nicht auf die Verwaltung zu verlassen. „Das ist extrem wichtig“, sagt auch Martina Weishaupt, Geschäftsführerin des Stadtmarketings. „Jeder Händler hat seine eigenen Kunden und seine spezielle Kundschaft und die will auch direkt und speziell angesprochen werden.“ Von vier Händlern wisse sie, dass diese bereits daran seien, etwas zu tun. Einer von ihnen ist Josef Heim, Inhaber des Bioladens „Goldbrunnen“ in der Karlstraße. An der Glastür hängen Din-A4-große Flyer, auf der Theke liegen dieselben im kleineren Format aus. In roter Schrift ist darauf zu lesen: „Lieferservice“ und „Sie kommen nicht zu uns? Dann kommen wir zu Ihnen.“ Das Prinzip dahinter ist einfach – und sportlich: Mit dem Fahrrad wird eine Mitarbeiterin während der Baumaßnahmen die Kunden beliefern. „Ab einem Einkaufswert von 20 Euro liefern wir am Dienstag und Freitag im Gebiet Innenstadt Tettnang, Bürgermoos, Kau und Meckenbeuren. Das Beste: während der Baustelle für Sie kostenfrei“, ist zu lesen. „Es war uns klar, dass wir so etwas während der Bauphase machen müssen“, sagt Heim. „Das ist unsere Chance attraktiv zu sein und zu bleiben. So können wir die Frische – Gemüse, Käse, Milch – auch weiterhin verbreiten.“

Und auch in der „Trattoria Pizzeria Adler“ hat man nach neuen Wegen gesucht. „Weil der Großteil unseres Mittagstischs vermutlich wegfällt, haben wir gesagt, wir werden mehr Catering anbieten“, erzählt Ulrike Speth-Zappone beim Treffen. Es laufe gut an, es gebe Nachfrage. „Ich sehe die Gefahr, dass ich an manchen Tagen aber unter Umständen gar nicht aus dem Hof fahren und die Ware ausliefern kann.“ Es sei existentiell zu erfahren, wann es möglich sei, wann nicht. Anfang April will die Verwaltung über den konkreten Ablauf der Baumaßnahmen informieren. „Zu spät“ finden viele Betroffene: „Außer ein paar Schlagworten, die Sie heute genannt haben, kenne ich als Händler – kurz vor der Baustelle – keinen Teil des Marketingkonzepts. Es kommt keine Information“, kritisiert Empen. Seit November liege ein Entwurf des Marketingkonzepts beerits vor, so Walter. Man sei in der Detailausarbeitung. Im Marketing-Hock am Mittwoch werden den Händlern erste konkrete Maßnahmen vorgestellt, die es im Zuge des Baustellenmarketings geben wird.

Knackpunkt: Parken

Eine Mehrheit habe sich in der Vorstandssitzung des Stadtmarketings am Montag für gebührenfreies Parken ausgesprochen. Das gab Bürgermeister Bruno Walter bekannt. Parkplätze, die in der Karlstraße wegfielen, sollen durch Parkplätze an der alten Layer-Halle, vor dem Rathaus und in der Grabenstraße ersetzt werden. Außerdem werde, so Walter, die Parkplatz-Beschilderung überarbeitet, Flyer und Plan sollen erstellt und verteilt werden, um Besuchern zu zeigen: „Wir sind erreichbar“. „Das ist das eine“, so Walter, „das andere sind die Kosten.“ Es gebe drei Möglichkeiten, damit umzugehen: Es bleibt, wie es ist, man bietet eine Stunde gebührenfreies Parken oder während der Baumaßnahme ein grundsätzlich gebührenfreies Parken. Mit letzterer Möglichkeit fällt allerdings auch eine Einnahmequelle weg: Rund 220 000 Euro nimmt die Stadt jährlich über Parkplatzgebühren ein. „Klar ist, dass man darüber diskutieren muss und auch politisch diskutieren muss“, so Walter. Gleichzeitig sei es notwendig, dass auch wenn die Gebühren wegfielen, es eine Parkraumüberwachung geben müsse.

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