Meersburg: Ehrenamtler wünschen sich mehr Wertschätzung

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Martina Wolters
Ehrenamtler wünschen sich mehr Wertschätzung

Die ehrenamtlich tätigen Führungskräfte Peter Adam, Jan Tauschinsky, Thomas Schmäh und Hartmut Schucker sind 7 Tage die Woche rund um die Uhr einsatzbereit.
Die ehrenamtlich tätigen Führungskräfte Peter Adam, Jan Tauschinsky, Thomas Schmäh und Hartmut Schucker sind 7 Tage die Woche rund um die Uhr einsatzbereit.
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Martina Wolters
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Meersburg sz Ehrenamtliche in sozialen Vereine und Zusammenschlüssen wie Feuerwehr, Deutschem Rotem Kreuz (DRK) oder Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) müssen immer mehr Aufgaben übernehmen und sind neben Familie und Beruf großen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig fehlt es ihnen an Aktiven, die bereit sind, Führungsverantwortung zu übernehmen. Feuerwehrkommandant Hartmut Schucker, sein Stellvertreter und DRK-Mitglied Thomas Schmäh, der stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiter Peter Adam und DLRG-Ortsgruppenchef Jan Tauschinsky haben über Arbeitsbelastung, Probleme und Grenzen ihres sozialen Engagements und gesprochen. Sie wünschen sich mehr Wertschätzung – auch in Form kleiner Anerkennungen.

Wenn es brennt, ein Unfall passiert oder jemand verletzt ist, sind sie und ihre Kameraden zur Stelle. Und das rund um die Uhr. Hinzu kommen Dienste bei Open-Air-Veranstaltungen, Festen oder beispielsweise beim Wachdienst im Freibad. Finanziell entlohnt werden sie dafür nicht. Das Gegenteil ist manchmal sogar der Fall. Die DLRG und das DRK müssen sogar Miete für ihre Räume aufbringen.

Auch höhere Mitgliedsbeiträge, von denen ein Großteil noch an übergeordnete Verbände geleistet wird, führen zu einem Mitgliederschwund. Außerdem kommt es durch neue Regelungen bezüglich der Umsatzsteuerpflicht dazu, dass sie neuerdings für ihre einzigen Einnahmequellen bei Festen Umsatzsteuer zahlen müssen.

„Das bedeutet für uns, dass wir in Zukunft viele gesellige Aktionen nicht mehr anbieten können“, sagt Schucker. „Aber gerade die Kameradschaft stellt für die Engagierten eine große Motivation dar“, weiß der Kommandant.

Viele Stunden stellen die freiwilligen Führungskräfte in den Dienst der Allgemeinheit. Bei Hartmut Schucker sind es 500 bis 600 Stunden, Peter Adam kommt auf rund 350 jährliche Einsatz- und Fortbildungsstunden. Immer mehr Belastung durch höhere Anforderungsprofile von „oben“ birgt immer mehr Aufwand. Jan Tauschinsky nennt zum Beispiel die geforderte Fachausbildung Wasserrettung bei den Lebensrettern, Hartmut Schucker das neu hinzugekommene Aufgabenfeld der Seerettung und verschärftere Ausbildungsrichtlinien.

Schucker fordert ein „Umdenken in der Gesellschaft“

Persönliche Freizeit kommt dabei oft zu kurz. Ein Kinobesuch, ein Essen mit Freunden oder gar die Nachtruhe können jederzeit durch eine Alarmierung unterbrochen werden. „Jeder von uns braucht eine starke Familie, die uns trägt“, betont Schucker und seine Kollegen nicken.

Bei ihrem großen Einsatz wünschen sich die ehrenamtlich Tätigen mehr Unterstützung und vor allen Dingen mehr Wertschätzung, wie der Meersburger Feuerwehrchef vor kurzem in der Hauptversammlung bereits angedeutet hatte. Es müsse dem einzelnen Helfer klar zu erkennen gegeben werden : „Ja, du bist mir etwas Wert“, findet Schucker und fordert ein „Umdenken in der Gesellschaft“. Vorstellen könne er sich auch eine „Bürgerkarte“ für Freiwillige, die spezielle Vergünstigungen oder besondere Veranstaltungen beinhaltet. „Immenstaad lässt Feuerwehrleute zum Beispiel gratis ins Freibad“, sagt er. „Damit der, der etwas bringt, auch ein bisschen zurückbekommt“, meinte Hartmut Schucker.

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