Ravensburg: Dynamische Farbe versus ruhendem Stahl

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Dorothee L. Schaefer
Dynamische Farbe versus ruhendem Stahl

Drei Künstler, drei Welten in der Kunsthalle Arnold: farbstarke Malereien im Großformat von Bernd Mattiebe, raumgreifende Cortenstahlskulpturen von Reinhard Scherer in der Mitte und im Vordergrund rechts und links Stahlobjekte von Bernhard Licini.
Drei Künstler, drei Welten in der Kunsthalle Arnold: farbstarke Malereien im Großformat von Bernd Mattiebe, raumgreifende Cortenstahlskulpturen von Reinhard Scherer in der Mitte und im Vordergrund rechts und links Stahlobjekte von Bernhard Licini.
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Dorothee L. Schaefer
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Ravensburg sz Starke Kontraste beherrschen derzeit den hohen Hauptraum der Kunsthalle Arnold. Drei Künstler – einen Maler und zwei Metallbildhauer – versammelt Carin Arnold zur dritten Ausstellung und zur ersten Gruppenausstellung in dem hohen Raum, der mit seinem schwarzen Zementboden und seinen weißen Wänden für große Formate wunderbar geeignet ist.

Gegenüber dem Eingang und an der Stirnseite wirken Acrylmalereien von Bernd Mattiebe wie farbige Fanale in den Primärfarben Rot, Gelb, Blau und Grün, in der großen Halle verteilt kreieren Reinhard Scherers Stahlplastiken jeweils ihre eigene Sphäre vor den Augen des Betrachters. Den kleineren Nebenraum hat Bernhard Licini mit seinen Stahlobjekten gefüllt; im zweiten hinteren Kabinett sind wiederum Malereien in Hochformaten von Bernd Mattiebe zu sehen sowie kleinformatige Bilder auf der Empore der Halle. Er ist mit etwa 30 Arbeiten prominent vertreten.

Starke Primärfarben in Acryl auf ungrundierter, feiner heller Leinwand: Das wirkt zum Teil ganz flächig und lässt den konkurrierenden reinen Farben jeweils visuell den Vortritt – dem satten Rot, einem opaken Gelb und dem weniger expansiven Ultramarin. Exakte Kreise oder Ringformen schwimmen in Farbvertikalen, andere, in einen gedachten Vordergrund vordrängende, schwingende Formen wirken wie ins Gigantische vergrößerte Amöben. Weder haptisch noch plastisch lassen sich diese Farbelemente begreifen – stattdessen vertraut der 1960 in Stuttgart geborene und dort und im niederländischen Gouda arbeitende Künstler meist der reinen Kraft der formbildenden Farbe, die er ohne Effekte flächig aufträgt, auch wenn vielleicht mal ein kleines Airbrushelement oder ein eher zufällig erscheinendes Dripping zu sehen ist.

Im starken Kontrast dazu stehen die Stahlobjekte des aus Zürich stammenden Bernhard Licini (*1956). Geradezu nüchtern in ihrer Thematik wirken zweiteilige Stahlrahmen – einer offen vor der weißen Mauer, einer mit einer Metallplatte mit Roststruktur gefüllt – oder Objekte auf Sockeln, offene Kästen, in denen runde oder abgerundete Stahlvierkantrohre präzise eingelassen sind. Sie alle haben keine Titel, sondern lassen den Betrachter in dem ambivalenten Bewusstsein, dass hier die Präzision der Metalltechnik minimalistisch gefeiert wird.

Ein großes Umfeld für sich beanspruchen dagegen Reinhard Scherers Stahlplastiken. Der 1948 in Wangen geborene Scherer wurde an der Stuttgarter Akademie ausgebildet und ist seit 1977 erfolgreich als freischaffender Künstler tätig. Ob gestisch dem freien Raum geöffnet, wie bei der außen vor der Kunsthalle postierten Großplastik „Ort“ von 1995, oder dem Raum sich mit einer fleckig-schimmernden Oberfläche geschlossen darbietend im Kleinformat – immer beschreiben diese auf dem Boden lastenden oder vor der Wand schwebenden Arbeiten einen eigenen, oft aufgebrochenen Raum, den es visuell zu erfahren gilt. Eine ganz andere Taktilität ist – als Ergänzung zu Scherers Oberflächenbehandlung – in den Abdrücken von Stahlelementen auf Papier zu erleben; sie geben der Naturfarbe des rostenden Metalls die Zartheit einer Pastellzeichnung.

Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober in der Gottlieb-Daimler-Straße 28 geöffnet, am Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag 12 bis 15 Uhr.

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