Liptingen: Bis der Arzt kommt

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Bis der Arzt kommt

Welcher Arzt wo in der Gemeinde die Spritze gibt, ist wieder völlig offen.
Welcher Arzt wo in der Gemeinde die Spritze gibt, ist wieder völlig offen.
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Emmingen-Liptingen sz Als Bürgermeister Joachim Löffler vor einigen Wochen bei einer VdK-Versammlung angkündigte, die Gemeinde wolle im kommenden Jahr mit dem Bau eines Ärztehauses beginnen, klang das von außen noch ziemlich unkompliziert, was da in nichtöffentlicher Sitzung entschieden worden war. Und auch die Gemeinderäte ahnten da wohl noch nicht, wie sehr sich die Situation noch verkomplizieren würde. Mittlerweile steckt die Gemeinde in einem echten Dilemma, wie die Unterlagen für die Gemeinderatssitzung am Montag zeigen, die die Gemeinde auf ihrer Homepage veröffentlicht hat.

Was hat der Gemeinderat Mitte März beschlossen?

Laut einer Mitteilung von Bürgermeister Joachim Löffler und den jetzt veröffentlichten unterlagen für die Gemeinderatssitzung am kommenden Montag hat der Gemeinderat in seiner nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, ein Ärztehaus zu bauen. Ein Standortgutachten sollte noch vorher eingeholt werden. Grund für den Beschluss war der Zustand der jetzigen Praxis in der Liptinger Mättlenstraße, die nicht mehr zeitgemäß sei, so Löffler. Sie ist weder behindertengerecht noch ist beispielsweise der liegende Abtransport von Patienten problemlos möglich. Ein Umbau der Praxis in der Mättlenstraße hätte um die 80000 Euro gekostet und keine durchschlagende Verbesserung gebracht.

Der aktuell praktizierende Arzt in der Gemeinde, Dr. Jürgen Kaufmann, hatte immer wieder – auch im Gespräch mit unserer Zeitung – betont, dass er mit seiner Praxis in Liptingen bleiben wolle und sich allenfalls vorstellen könne, Zweigsprechstunden in Emmingen anzubieten, wenn sich ein zweiter Arzt für die Bildung einer Gemeinschaftspraxis fände. Die Gemeinde hatte ihm bei seiner Ansiedlung vertraglich zugesagt bis zu 100000 Euro zu Investitionen in eine andere Räumlichkeit beizusteuern.

Das Angebot der Investorengruppe Maser, die neue Praxis in den gerade entstehenden Neubau in der Emminger Straße 11 zu integrieren hat der Gemeinderat abgelehnt. Das Gremium habe lieber in eine eigene Immobilie investieren wollen, um auf Dauer die Ansiedlung von Ärzten zu ermöglichen, heißt es in der Beschlussvorlage.

Der Mietvertrag der Gemeinde mit Jürgen Kaufmann für die Praxis in der Mättlenstraße läuft noch bis Mitte 2019. Ein Interesse an einer Kündigung bestehe aber auf keiner Seite, solange noch kein alternativer Standort gefunden sei, heißt es in den Gemeinderatsunterlagen.

Was hat sich seitdem an der Situation geändert?

Die Investorengruppe Maser hatte laut der Beschlussvorlage der Gemeinde zwischenzeitlich angekündigt, auf eigene Faust eine Arztpraxis in ihrem Neubau zu realisieren. Davon habe sie jedoch wieder Abstand genommen, als sie unter anderem durch Äußerungen in unserer Zeitung den Eindruck gewonnen hätten, als Investoren für die Arztpraxis nicht willkommen zu sein.

Parallel dazu hatte ein anderer Arzt, der sich gerne in der Gemeinde ansiedeln will, das Gespräch mit Bürgermeister Joachim Löffler gesucht. Unserer Zeitung sagte Löffler, es sei ein gutes Gespräch gewesen. Laut Gemeindeverwaltung hatte dieser Arzt schon ein Gebäude in Emmingen als Standort für seine Praxis ins Auge gefasst. Grundsätzlich will sich dieser Mediziner lieber in Emmingen niederlassen. Laut Bürgermeister könne er sich aber auch die Bildung einer Gemeinschaftspraxis mit Jürgen Kaufmann vorstellen, als Zusage sei diese Aussage aber noch nicht zu werten.

Welche Möglichkeiten hat die Gemeinde jetzt?

Die Gemeinde hat aktuell einen Beschluss, ein Ärztehaus zu bauen, dessen Standort noch nicht definiert wurde. Sie hat eine Arztpraxis, die nicht zeitgemäß ist und durch einen Umbau allenfalls besser, aber nicht gut werden würde. Und sie hat womöglich zwei Ärzte, von denen einer sicher in Liptingen bleiben möchte und der andere sich lieber in Emmingen niederlassen will. Ob beide eine Gemeinschaftspraxis bilden könnten, ist noch gänzlich offen.

Wo sollte also das Ärztehaus stehen? Wenn der eine Arzt bis zu 100000 Euro für eine neue Praxis bekommt, steht das auch dem anderen zu? Inwiefern müssen die bisherigen Investitionen in die Praxis und die günstige Miete für Praxis und Wohnung einfließen. Gibt es überhaupt ein Ärztehaus oder ist der nichtöffentliche Beschluss vom März hinfällig.

Die Gemeindeverwaltung hat schon, so steht es in den Gemeinderatsunterlagen, abweichend vom Beschluss des Gemeinderats Gespräche mit dem Eigentümer des Geschäftshauses Ecke Kirchstraße/Donaustraße in Emmingen aufgenommen, für das sich offenbar der zweite Arzt interessiert. Der Eigentümer sei bereit, einen Fahrstuhl auf eigene Kosten einzubauen. Die Ausbaukosten schätzt der Architekt Eursebius Moser auf 56000 Euro. Für Einrichtung und Ausstattung der Praxis müssten wohl weitere 35000 bis 40000 Euro fließen.

Einen Beschluss erwartet Bürgermeister Löffler am Montag noch nicht. Der Gemeinderat werde sicher noch Punkte ansprechen, die nachgearbeitet werden müssten. In der Sitzung am 22. Mai solle aber endgültig über die Vorgehensweise beschlossen werden. Denkbar sei, dass die Verwaltung auf Wunsch des Gemeinderats schon Angebote verschiedener Gutachter einhole.

Für ein mögliches Standortgutachten regt Bürgermeister Löffler an, dass der Gemeinderat im Voraus Bewertungskriterien und deren Rangfolge festlegt. Auch sollte überlegt werden, ob nicht aus den Reihen des Gremiums eine Arbeitsgruppe gebildet wird, die mit dem späteren Gutachter diese Kriterien vorbespricht. Auch die Besetzung einer solchen Kommission sollte besprochen werden.

Die Sitzung am Montag verspricht spannend zu werden.

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