Wasserburg: Berufsfischer für Hochwasser dankbar

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Olaf Winkler
Berufsfischer für Hochwasser dankbar

Der wiedergewählte Vorsitzende der bayerischen Bodensee-Berufsfischer, Roland Stohr (links) ernannte Manfred Braun zum Ehrenmitglied der Genossenschaft. Braun war bis zu seiner Pensionierung 2011 bayerischer Bevollmächtigter in der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei und kurzfristig auch Präsident des Landesfischereiverbandes. Er stehe auch heute den Fischern mit seiner Fachkompetenz zur Seite, stellte Stohr heraus.
Der wiedergewählte Vorsitzende der bayerischen Bodensee-Berufsfischer, Roland Stohr (links) ernannte Manfred Braun zum Ehrenmitglied der Genossenschaft. Braun war bis zu seiner Pensionierung 2011 bayerischer Bevollmächtigter in der Internationalen Bev
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Olaf Winkler
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Wasserburg olwi Erstmals in seiner sechsjährigen Amtszeit hatte Roland Stohr bei der Jahreshauptversammlung der Genossenschaft der bayerischen Bodensee-Berufsfischer nicht von sinkenden Fangzahlen zu berichten. Gegenüber dem bislang schlechtesten Jahr 2015 hat sich die Situation etwas entspannt. Dennoch: „2016 geht als das zweitschlechteste Fangjahr seit 1914 in die Annalen ein.“

Die etwas bessere Situation verdanken die Berufsfischer allerdings keinen politischen Weichenstellen, die sie sich insbesondere hinsichtlich der zulässigen Phosphat-Menge wünschen, sondern ausgerechnet dem Hochwasser im Frühjahr vergangenen Jahres. Damals liefen die Kläranlagen teilweise über. In der Folge gelangten die für die Fischerei notwendigen Nährstoffe in den Bodensee. Das führte insbesondere beim „Brotfisch“ der Bodensee-Fischer, den Felchen, zu einer Zunahme im zweiten Halbjahr. Nach nur 16 Tonnen im Jahr 2015 konnten die Fischer am bayerischen Bodensee-Ufer schließlich 24 Tonnen fangen. In den Jahren 2006 bis 2014 lag der Durchschnitt allerdings noch bei 49 Tonnen Felchen pro Jahr.

Insgesamt fingen die Fischer in diesen Jahren im Schnitt 90 Tonnen Fisch, 2016 waren es insgesamt nur 52 Tonnen. Sarkastisch fragte Stohr: „Müssen wir uns auch für 2017 wünschen, dass im Umfeld des Bodensees wieder in vielen Häusern die Keller mit Wasser volllaufen, damit sich bei uns im See etwas Wachstum einstellen kann?“

Aquakultur kommt für Bodenseefischer nicht infrage

Elf Fischer vom bayerischen Bodensee-Ufer haben derzeit noch ein Patent inne. Ihre Zahl soll nach dem Willen der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) weiter sinken. So soll es bis 2020 nur noch acht Patente geben. Klar machte Stohr, dass die so genannte Aqua-Kultur, bei der Fischer in Netzgehegen im Bodensee gezüchtet werden, für die bayerischen Bodensee-Fischer nicht in Frage kommen. Der Wildfisch verliere ansonsten sein Alleinstellungsmerkmal „aus dem Bodensee“, was die verbliebenen Berufsfischer in ihrer Existenz bedrohe. Hier erwarte er sich von der bayerischen Politik klare Worte der Ablehnung.

Aus Sicht des Landtagsabgeordneten Eberhard Rotter hat die Politik „getan, was zu machen war“. Der Freistaat habe die Patentgebühren gesenkt - „als ein Signal, dass die Probleme anerkennt werden“. In den internationalen Gremien sei aber die Ablehnung hinsichtlich einer höheren Nährstoff-Einleitung nicht zu überwinden. „Wir täten uns leichter, wenn auch die Vertreter aus der Schweiz und aus Österreich sich dafür stark machen würden“, stellte Rotter fest und forderte einen „Flankenschutz aus anderen Richtungen“. Insbesondere die Einstufung des Bodensees als Voralpensee wäre hilfreich. Denn dann dürften mehr Nährstoffe einfließen. Derzeit ist der Bodensee als Alpensee klassifiziert. Der stellvertretende Landrat Johann Zeh verwies auf die gesetzlichen Vorgaben, an die sich die Kommunen und Abwasserverbände halten müssen und verwies auf seine 18-jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Abwasserverbandes Rothach. Die strengen Bodensee-Einleitungsrichtlinien habe auch dieser Verband umsetzen müssen. Zeh regte einen Schulterschluss zwischen „Fischerei und Kommunen“ an, denn: „Es ist politisch zu hinterfragen, ob das alles so streng gehandhabt werden muss“.

Im Rahmen der Generalversammlung meldete sich mit Dr. Wolfgang Sigg auch der Vorsitzende des Internationalen Bodensee-Fischereiverbandes zu Wort. Er glaube nicht an eine Zukunft mit Aqua-Kulturen, sondern sprach sich für eine Erhöhung des Phosphat-Gehaltes im Bodensee aus. „Es muss aus den Köpfen, dass Phosphat Verschmutzung bedeutet“, forderte Sigg. Auch bei einem Gehalt von 90 Mikrogramm pro Kubikmetern sei das Bodensee-Wasser als Trinkwasser verwendet worden. Derzeit liege der Gehalt bei sechs Mikrogramm. Der bayerische Bevollmächtigte der IBKF, Dr. Franz Geldhauser, machte deutlich, dass von bayerischer Seite aus keine Zustimmung zu möglichen Aqua-Kulturen erfolgen werde.

Mitglieder bestätigen Vorstand

Bei den Neuwahlen bestätigten die Mitglieder den bisherigen Vorstand für weitere drei Jahre. Roland Stohr bleibt damit erster Vorsitzender, Bernd Kaulitzki sein Stellvertreter und gleichzeitig Schriftführer. Klaus Schmid ist weiterhin als Kassierer tätig. Martin Schmid-Zöller, Fabian Schmid und Karl-Otto Kampfhammer bleiben Beisitzer. Für 2018 plant die Genossenschaft eine Satzungsänderung, da bei weiter sinkender Patente-Zahl künftig nicht mehr alle Ämter zu besetzen sind. Der wiedergewählte Roland Stohr ernannte Manfred Braun zum Ehrenmitglied der Genossenschaft. Braun war bis zu seiner Pensionierung 2011 bayerischer Bevollmächtigter in der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei und kurzfristig auch Präsident des Landesfischereiverbandes. Er stehe auch heute den Fischern mit seiner Fachkompetenz zur Seite, stellte Stohr heraus.

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