Bodolz: Bauvorhaben entpuppt sich als Aufreger

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Isabel Kubeth de Placido
Bauvorhaben entpuppt sich als Aufreger

Die IVG Immobilien- und Verwaltungs-GmbH will das leerstehende Haus abreißen und auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit vier Stockwerken bauen.
Die IVG Immobilien- und Verwaltungs-GmbH will das leerstehende Haus abreißen und auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit vier Stockwerken bauen.
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Bodolz isa Ein Mehrfamilienhaus mit bis zu zehn Wohnungen will die IVG Immobilien- und Verwaltungs-GmbH in Bodolz bauen. Doch der Gemeinderat hat das Vorhaben vorerst abgelehnt.

Zwischen dem Einkaufszentrum und der Dr. Emil-Haselsiedlung wollte die IVG das Mehrfamilienhaus errichten. Bisher steht auf dem Grundstück an der Unteren Steig ein Einfamilienhaus in einem großen Garten. Dieses allerdings will der neue Eigentümer abreißen. Acht bis zehn barrierefreie Wohnungen sollen in dem Neubau Platz finden. Das Gebäude soll eine Tiefgarage bekommen und darauf zwei Vollgeschosse. Auf diesen beiden Vollgeschossen wiederum springen ein zweites Obergeschoss und ein Dachgeschoss etwas zurück. Die Einfahrt zur Tiefgarage soll von unten und damit von der Bahnschranke aus gesehen, erfolgen. Von der höchsten Stelle des Hanggrundstücks aus gemessen, also im Norden, soll das Gebäude 10,15 Meter hoch werden. Damit wird es genauso hoch wie der über der Straße liegende Einkaufsmarkt und das untere der drei benachbarten Wohnhäuser der Dr.-Emil-Haselsiedlung.

Eine entsprechende Bauvoranfrage stellte das Unternehmen. Dass das Bauvorhaben zu einem Aufreger werden wird, wurde bereits zu Beginn der Sitzung klar. Immerhin waren neun direkte Nachbarn aus der Dr. Emil-Haselsiedlung zu der Sitzung gekommen. Deren Blick könnte sich in Zukunft auf ein Gebäude statt auf Grün, richten.

Doch nicht nur die Anwohner, auch der Gemeinderat war alles andere als begeistert von dem Bauvorhaben. Ratsmitglied Andreas Durrer nannte es einen „problematischen Bau“, der den „grünen Puffer“ zwischen Siedlung und Einkaufszentrum bedrohe. Zudem hielt er das Zusammentreffen von der Ausfahrt aus der Bahnhofsstraße, der Einfahrt zum Rewe und der Einfahrt zur Tiefgarage für problematisch: „Das gibt einen neuralgischen Punkt“, fürchtete er.

Haus grenzt direkt an den Gehweg der Unteren Steig

Gemeindertat Thomas Freilinger störte sich an dem „nicht vorhandenen Abstand“ des Gebäudes zum Gehweg und damit zur Unteren Steig. „Die Wand grenzt direkt an den Gehweg. Das lässt das Ganze wie eine Häuserschlucht wirken. Das ist furchtbar für den Platz.“ Ingrid Seeberger zeigte zwar Verständnis für das Wirtschaftlichkeitsdenken des Bauträgers, störte sich jedoch ebenfalls an einem weiteren massiven Bau zwischen Siedlung und Einkaufsmarkt: „Mir ist das Ganze zu groß.“

Allerdings, und darauf hatte Bürgermeister Christian Ruh eingangs hingewiesen, liegt das Bauvorhaben im Innenbereich, für den es keinen Bebauungsplan gibt, der regelt was und wie gebaut werden darf. Stattdessen müssen sich Neubauten lediglich nach der umliegenden Bebauung richten. „Der Rewe ist ein Sonderteil aus früheren Zeiten. Der dürfte heute so nie gebaut werden und darf deshalb nicht als Höhenvergleich herhalten“, argumentierte Gebhard Marte und schlug vor, dass der Bauherr ein Stockwerk niedriger bauen und das Gebäude von der Straße wegrücken solle.

Auch Bürgermeister Ruh sprach sich dafür aus, dass es bei dem Bauvorhaben gelte den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeitsdenken des Bauträgers und den ortsbildverträglichen Interessen der Gemeinde zu schaffen.

Gemeinde wil Gespräch mit Bauherren suchen

Deshalb schlug Bruno Schmid vor das Gespräch mit dem Bauträger zu suchen. Franz Joachim sah eine mögliche Lösung, die das Gebäude weniger massiv werden ließe, in der Ermittlung der Grundflächenzahl. Diese gibt eine Aussage darüber, wie das Verhältnis ist zwischen der bebauten und der freien Fläche eines Grundstückes. Da sich der Neubau nach den umliegenden Bauten richten muss, dürfte das besagte Grundstück also nicht mehr bebaut werden als die umliegenden Grundstücke. Träfe dies jedoch zu, hätte die Gemeinde keine Handhabe.

Letztendlich entschied sich der Gemeinderat das Bauvorhaben erst einmal abzulehnen und beauftragte die Verwaltung damit das Gespräch mit dem Bauträger zu suchen.

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