Bad Saulgau: Bächtlefest: Rückblick auf fünf Tage Feiern

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und Rudi Multer
Bächtlefest: Rückblick auf fünf Tage Feiern

Bad Saulgau sz Das Bächtlefest in Bad Saulgau ist gestern mit einem traumhaften Festzug durch die Innenstadt zu Ende gegangen. Fünf Tage lange wurde bei angenehmen Temperaturen auf dem Festplatz, auf dem Realschulhof und in der Stadthalle friedlich gefeiert. Die „Schwäbische Zeitung“ fasst das Kinder- und Heimatfest nochmal zusammen.

„Es waren grandiose Festtage“, sagte Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter beim Empfang der Ehrengäste am Montagmorgen im Alten Kloster. Das Bächtlefest sei für die Bad Saulgauer eine willkommene Gelegenheit, „um den Alltag zu vergessen und für ein paar Tage abzuschalten“. Schröter begrüßte wie immer beim Empfang die Bächtlefestneulinge – zu denen die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden, der CDU-Abgeordnete Norbert Lins sowie der Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Tübingen, Klaus Tappeser, gehörten. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Holzbläsergruppe unter der Leitung von Matthias Lyding.

Wobei Klaus Tappeser im Grunde genommen als Neuling nicht zu bezeichnen ist, schließlich war der gebürtige Bad Saulgauer schon als Kind beim Festzug mit dabei. Gestern verfolgte Tappeser den gesamten Umzug auf der Ehrenbühne vor der Volksbank, obwohl er um 14 Uhr schon wieder in Stuttgart sein musste. „Ich habe mir die Zeit gerne genommen“, sagte Tappeser, als die Stadtgarde zu Pferd den Umzug beendete. Er sei begeistert gewesen vom Umzug und vor allem vom Bürgerstolz der Bad Saulgauer. „Es ist fantastisch zu sehen, wie Kinder und Erwachsene in den Kostümen durch die Stadt laufen“, so Tappeser. Es habe ihn gefreut, als Zuschauer dabei zu sein. Und Tappeser war angetan vom Alten Kloster, in dem der Empfang seit einigen Jahren stattfindet. Zuvor wurde den Ehrengästen der Empfang im Haus am Markt bereitet.

Zu den Teilnehmern des Festzugs gehörten japanische Musiker aus Kobe, die seit Samstag in Gastfamilien untergebracht sind und morgen wieder abreisen. Das Blasorchester Brass Porteno verlängert aber seinen Aufenthalt in Deutschland und fährt für ein paar weitere Tage in den Schwarzwald. Die knapp 30 jungen Musiker hatten ein straffes Programm. Sie gaben am Samstag ein Konzert im Oberamteihof, spielten vor dem Empfang am Montagmorgen ein paar Stücke im Freien und betraten dann noch abends die Bühne auf dem Festplatz. „Wir nehmen tolle Eindrücke mit nach Hause“, sagte Hironobu Miichi, Vorsitzender des Orchesters Brass Porteno. Für viele Musiker war es der erste Besuch in Deutschland. Der 32-jährige Miichi sei überrascht gewesen, wie die zahlreichen Zuhörer sie beim Konzert im Oberamteihof gefeiert und bejubelt hätten. Das sei in Japan nicht so euphorisch, so Miichi, der anschließend als Trommler voller Freude mit seinen Musikerkollegen am Festzug teilnahm.

Zum Programm des Bächtlefests gehört traditionell die Auszeichnung der Schützenkönige des Adlerschießens, die zur Belohnung auf dem Festwagen Platz nehmen durften. Bei den Schüler gewann Phi Long Nguyen, Neuntklässler des Störck-Gymnasiums. Erste bei den Schülerinnen wurde Jana Hartmann, ebenfalls vom Störck-Gymnasium. Hartmann ließ aber ihrer Klassenkameradin Milena Ayasse den Vorzug auf dem Festwagen. Das Störck-Gymnasium erreichte auch in der Gesamtwertung aller Schulklassen den ersten Platz. Die Lehrer des Gymnasiums gewannen den Lehrerwettbewerb. Sieger bei den Erwachsenen wurde wie in den Jahren zuvor erneut Florian Lang.

Den gestrigen Umzug verfolgten Tausende von Zuschauern am Straßenrand – sehr zur Freude von Richard Frey, Präsident des Bürgerausschusses. „Es lief alles wie am Schnürchen“, sagte Frey. Er selbst war wie gewohnt gut gelaunt, kündigte die Umzugsteilnehmer an und unterhielt die Zuschauer mit ein paar Witzen. Und damit seine Kehle nicht zu trocken wurde, erhielt er zwischendurch ein Glas Most. Aber auch von außen wurde er nass, als die Feuerwehr anno 1900 ihn und die Zuschauer mit Wasser aus dem Schlauch abspritzten. Die Zuschauer waren froh über die Abkühlung, denn schließlich kletterten die Temperaturen innerhalb des zweistündigen Umzugs rasch nach oben auf dem Thermometer. Frey blickte auf das Bächtlefest zurück. Grandios sei es gewesen. „Natürlich hat auch das Wetter mit gespielt.“

Pfarrerin Stefanie Zerfass sprach beim Festgottesdienst zum Bächtlefest auf dem Marktplatz über „schwarze Worte“. Solche schlechten Worte könnten nicht mehr zurückgeholt werden, wenn sie einmal ausgesprochen sind. Einem SZ-Redakteur ging es ähnlich. Er meinte beim Verlassen des Festgottesdienstes ein Wort der Pfarrerin an Richard Frey aufgeschnappt zu haben, das er am Montag als Zitat des Tages veröffentlichte. Nach Dienst half ihm die Ehefrau, ebenfalls Gottesdienstbesucher, auf die Sprünge. Die Formulierung sei eine andere gewesen. „Ich glaub’, ich spinn’“, hat Stefanie Zerfass auf eine provokante Bemerkung von Richard Frey geantwortet. Er hatte behauptet, die Pfarrerin habe Bedenken wegen des Festgottesdienstes geäußert. Um sie aus der Reserve zu locken, so Frey. „Ich glaub’ ich spinn“, hört sich jedenfalls anders an, als das veröffentlichte Zitat. Dafür hatte der Bürgerschuss-Präsident eine Redakteurs-Witz frei. „Was ist der Unterschied zwischen Roger Federer und einem Redakteur?“ Bei Federer freut man sich auf den nächsten Satz. Jedenfalls: Das Zitat und damit der Gottesdienst wurden so beliebtes Gesprächsthema beim Fest.

Das klappte wie am Schnürchen. Auch beim historischen Markt waren die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs wieder präsent. Die Arbeiter fuhren früh morgens durch die Fußgängerzone, verteilten Schirme und Bänke an die Standbetreiber. Und abends dann umgekehrt. Weshalb ein Arbeiter am frühen Morgen am Stand des Partnerschaftsvereins sagte, die Stehtische hier seien besonders wichtig, wurde zum Schluss klar. Da der Bauhof mit dem Aufräumen am Marktplatz begann und sich die Fußgängerzone hocharbeitete, war der Chalais-Stand der letzte, der weggeräumt wurde. Hier also sammelten sich die nimmermüden Marktbesucher und schlossen den Marktbesuch mit dem einen oder anderen Pineau ab. Da hatte man die Stehtische schon häufig gern, um sich daran zu halten.

Ein letztes Wort noch zu dem Bedienungen im Festzelt. Die haben geschafft wie die Brunnenputzer, um Bier und Hähnchen heranzuschaffen. Und dazu gab es für die Bierzeltbesucher noch etwas gänzlich Unerwartetes: Ein Lächeln statt saure und gestresste Gesichter: Ein weiteres kleines Geheimrezept für ein schönes Bächtlefest.

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