Bad Waldsee: Bad Waldsee hat noch Wohnraum frei

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Bad Waldsee lockt mit Wohnungen
Bad Waldsee ist eine attraktive Stadt, in der viele Menschen gerne wohnen möchten. Um auch in Zukunft ausreichend Wohnraum anbieten zu können, bedarf es guter Zukunftsstrategien.
Bad Waldsee ist eine attraktive Stadt, in der viele Menschen gerne wohnen möchten. Um auch in Zukunft ausreichend Wohnraum anbieten zu können, bedarf es guter Zukunftsstrategien.
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Bad Waldsee sz In vielen Städten herrscht Wohnungsnot. Besonders im unteren Preissegment werden Menschen vielerorts nicht mehr fündig. In Bad Waldsee sieht die Welt nach Angaben der Stadtverwaltung noch besser aus, denn es würden mehr Wohnungen gebaut, als neue Einwohner dazu kommen. Dennoch gibt es auch in der Kurstadt einen Ansturm besonders auf kleine Wohnungen, wie beispielsweise Facebook-Annoncen immer wieder zeigen. Für ein „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ wie im benachbarten Schussental besteht laut Stadt dennoch kein Anlass.

Von einer „Wohnungsnot“ wie beispielsweise in Ravensburg könne in Bad Waldsee nicht die Rede sein, sagt Erster Beigeordneter Thomas Manz. „Wir steuern dagegen, indem wir ausreichend Wohnraum schaffen.“ So seien in den vergangenen Jahren ausreichend Wohneinheiten (WE) in Bad Waldsee und den Ortschaften in neuen Baugebieten entstanden. Und weitere Wohngebiete seien bereits in Planung (siehe Kasten).

Stadt ermittelt "Problemfelder"

Insgesamt ist der Wohnungsmarkt in Bad Waldsee in Bewegung, wie Manz berichtet. Wohnungen werden in allen Segmenten nachgefragt. „Nach unseren Informationen und Einschätzungen lassen sich aktuell immer noch Wohnungen finden, sei es zum Kauf oder zur Miete.“ Die Stadt orientiert sich dabei an bestimmten Indikatoren, über die sich mögliche Problemfelder ermitteln lassen können. Dazu zählen unter anderem Einweisungen, die beim Sozialamt ankommen, beispielsweise durch Räumungsklagen. „Bei der Stadt kommen nur diejenigen an, die über Räumungstitel wohnungslos werden. Es gibt jedoch mehrere Facetten, die bei der Stadt nicht ankommen, da über das zur Verfügung stehende Budget eine eigene Wohnung gefunden werden kann“, erläutert Manz.

Ein anderer Indikator ist die Einwohnerzahl. Gemessen daran sieht sich die Stadt in Sachen Wohnbau gut aufgestellt. Demnach sind seit 2005 insgesamt 707 Einwohner dazu gekommen. Im gleichen Zeitraum wurden 848 Wohneinheiten geschaffen.

Pro Jahr 70 neue Wohneinheiten

Gemäß den Planungen im Rahmen der „Stadtentwicklung 2020“ und der angenommenen Einwohnerzahl im Jahr 2020 (zwischen 21.500 und 22.000 Einwohner) hätte die Stadt nach eigenen Angaben jährlich 50 Wohneinheiten schaffen müssen. „Tatsächlich gebaut wurden aber pro Jahr 70 Wohneinheiten, also wesentlich mehr“, sagt Manz.

Daher sei ein „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ aktuell in Bad Waldsee noch kein Thema und müsse auch erst im Gemeinderat diskutiert werden. „Wir sind zum Glück noch nicht Ravensburg. Und das Beispiel Ravensburg hat ja auch gezeigt, dass durch solche Bündnisse Investoren verschreckt werden.“ Zudem könne eine solche Maßnahme dazu führen, dass durch den hohen Anteil an Sozialwohnungen die Mieten insgesamt steigen, denn „die Rendite muss ja irgendwo herkommen“.

Mehr Geschosswohnungsbau

Um die Wohnsituation in der Kurstadt mitsamt den Ortschaften weiterhin voranzubringen, will die Stadt als langfristige Strategie weitere Wohngebiete für Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften erschließen, aber auch für Geschosswohnungsbau. „Da kommt es darauf an, wo Geschosswohnungsbau möglich und sinnvoll ist“, erklärt Manz. Vor zehn Jahren sei es in Bad Waldsee unmöglich gewesen, Geschosswohnungsbau zu etablieren und Investoren dafür zu finden. Das habe sich nun geändert und sei auch notwendig. „Das heißt aber nicht, dass in Bad Waldsee bald jede Menge Hochhäuser gebaut werden.“

Die Stadt will die Geschosswohnungsbauten möglichst gut verteilen und nicht geballt an einem Standort konzentrieren. Die Mischung aus Einzelfamilienhäusern, Doppelhäusern und Geschossbauten (auch in Neubaugebieten) sei wichtig, um keine sozialen Brennpunkte zu schaffen und das Sozialgefüge in den einzelnen Wohnquartieren in Balance zu halten. Zudem müsse man auch daran arbeiten, leerstehende Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen.

Flächenausgleich spielt eine Rolle

In den Ortschaften sei der Wunsch nach einem neuen Wohngebiet in Mittelurbach wohl am Größten. „Da wurde schon seit Längerem kein Neubaugebiet ausgewiesen“, so Manz. Das liege aber auch an den topographischen Einschränkungen durch die Tallage und der Hochwassergefahrenkarte.

Flächenausgleich macht Probleme

Immer wieder mache in Sachen Wohnungsbau auch der gesetzlich vorgeschriebene Flächenausgleich Probleme. Denn: Kommunen sind naturschutzrechtlich verpflichtet, für neue Wohngebiet einen Flächenausgleich zu schaffen, beispielsweise durch das Anlegen einer Streuobstwiese. Eine Aktualisierung des Gesetzes hat die Vorgaben nun etwas aufgeweicht. Wird an ein bestehendes Gebiet ein neues Gebiet angebaut und die Grundfläche von einem Hektar nicht überschritten, muss kein Ausgleich mehr geschaffen werden. Diese neuen Möglichkeiten wolle die Stadt Bad Waldsee künftig öfter nutzen.

In Bad Waldsee gibt es seit 2015 einen qualifizierten Mietspiegel. Im Rahmen einer gemeinsamen Aktion mehrerer Städte und Gemeinden im Landkreis Ravensburg hatte sich die Stadt dazu entschlossen, einen lokalen Mietspiegel zu erstellen. Zum 1. Januar 2017 wurde er aktualisiert. Der Mietspiegel ist auf der Homepage der Stadt zu finden: www.bad-waldsee.de

Zuletzt entstandene Baugebiete mit Wohneinheiten (WE):

Ballenmoos I und II (130 WE)

Frauenberg VI (50 WE)

Untere Bachäcker Haisterkirch (30 WE)

Am Zettelbach Gaisbeuren (45 WE).

Geplante Baugebiete:

Ballenmoos III (55 WE)

Pfändle (70 WE)

Untere Bachäcker II Haisterkirch (21 WE)

Drei Eichen Reute (20 WE)

Hungerberg Michelwinnaden (15 WE)

Hinzu kommen private Erschließungen und Nachverdichtungen im Innenbereich (Einzelfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Geschosswohnungsbau). Dazu zählen:

Grüner Weg (18 WE), Gartenstraße (33 WE), Rotkreuzweg (21 WE), Unterurbacher Weg (mehrere Vorhaben, 44 WE), Muschgaystraße (34 WE), Michelwinnaden: Kalkofen (3 WE), Fichtenstraße (2 WE). In Planung: Aulendorfer Straße (zwei Vorhaben, 13 WE), Dorfstraße (7 WE), Hölderlinweg (7 WE), Fasanenweg (12 WE). Noch offen: Mittelurbach (zwei Vorhaben, 35 WE). (kik)

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