Bad Buchau: Auf dem Seelenhof die Seele baumeln lassen

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Auf dem Seelenhof die Seele baumeln lassen
Auszeit vom Alltag in der Großstadt: Karl-Heinz Kohn (Vierter von links) hat die acht Jugendlichen und ihre Betreuer Daniel Beuke (links) und Björn Endemann (rechts) in sein Ferienhaus auf dem Seelenhof eingeladen.
Auszeit vom Alltag in der Großstadt: Karl-Heinz Kohn (Vierter von links) hat die acht Jugendlichen und ihre Betreuer Daniel Beuke (links) und Björn Endemann (rechts) in sein Ferienhaus auf dem Seelenhof eingeladen.
 (Foto:
Annette Grüninger
)

Kanzach sz Kein Supermarkt und kein Kino, keine Bushaltestelle und erst recht kein schneller Internetzugang – auf dem Seelenhof zwischen Kanzach und Moosburg kann man vor allem eins: die Seele baumeln lassen. Diese Erfahrung haben nun auch acht Jugendliche aus einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund gemacht. Karl-Heinz Kohn aus Dürmentingen hat die Ferien vom Alltag in der Großstadt ermöglicht und der Gruppe mit ihren Betreuern sein Ferienhaus zur Verfügung gestellt.

In der Ferne ist ein Traktor zu hören. Sonst nichts. Kein Verkehrslärm dringt bis in die Einsamkeit vor. Nur Wald und ein paar Felder und blühender Löwenzahn auf den Wiesen. Auf dem Seelenhof ist es ruhig. Zu ruhig für eine Gruppe Teenager, könnte man meinen. „Hier ist es einfach leer“, sagt die 17-jährige Pheline – und ist hellauf begeistert. „Hier gibt es fast nur Natur. Ich finde es schön, dass man hier abends rausgehen und Rehe sehen kann.“ Eine Woche lang hat Pheline und sieben weitere Jugendliche hier im Ferienhaus von Karl-Heinz Kohn verbracht. Gemeinsam hat die Gruppe Tischkicker und Fußball gespielt, gekocht, gewandert, Ausflüge zur Bachritterburg, zur Bärenhöhle, zum Freilichtmuseum Kürnbach und Federsee unternommen oder ganz einfach auf Spaziergängen die Gegend erkundet. Und ein Leben genossen, das so ganz anders ist als der Alltag in der Großstadt.

Eine große Familie

Die Jugendlichen stammen aus einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund. Dort sind 18 Kinder und Jugendliche langfristig untergebracht, aufgeteilt in zwei Wohngruppen und im Alter zwischen zwölf Monaten und 18 Jahren. „Wir leben wie in einer großen Familie zusammen“, erklärt Erzieher Björn Endemann, der mit seinem Kollegen Daniel Beuke die Gruppe begleitet. In den insgesamt neun Betreuern finden die Kinder und Jugendlichen feste Bezugspersonen. „Manchmal werde ich sogar ,Papa’ genannt“, erzählt Endemann schmunzelnd.

Die Wohngruppen – aufgeteilt in eine Kinder- und Jugendgruppe – teilen sich jedoch nicht nur den Alltag, sondern unternehmen in den Sommerferien auch gemeinsam eine Urlaubsreise. In den Osterferien wegzufahren, sei ihnen normalerweise nicht möglich, sagt Endemann. Und: „Es war das erste Mal, dass die Großen alleine weggefahren sind.“ Eine große Chance, wie der Erzieher findet: Die Jugendlichen wurden stärker in die Aufgaben mit einbezogen, haben gemeinsam eingekauft und gekocht.

Und sie mussten sich in einem neuen, ganz anderen Umfeld zurecht finden. „Da kam dann auch die Sprachbarriere hinzu“, berichtet Endemann und lacht. Denn Schwäbisch erwies sich tatsächlich als ungeahnte Herausforderung. Doch gemeinsam habe die Gruppe auch diese Hürde bewältigt. „Die Jugendlichen haben sich auch gegenseitig geholfen“, so Endemann. „Es war schön zu sehen, wie gut sie sich verstehen und wie unser pädagogisches Konzept doch greift.“ Vor allem aber hätten die Jugendlichen einmal abschalten können von ihren Problemen.

Und damit hat sich auch Karl-Heinz Kohns Wunsch erfüllt. „Ich wollte einfach mal eine Gruppe mit benachteiligten Kindern in meine Ferienwohnung einladen“, sagt der Dürmentinger. Im Internet sei er auf die Dortmunder gestoßen und habe vergangenen Oktober Kontakt aufgenommen. Sein Angebot, die Osterferien in Oberschwaben zu verbringen, kam bestens an. „Die Vorfreude bei den Jugendlichen war groß“, bestätigt Endemann.

Und die Begeisterung hält noch immer an. „Ich finde, dass die Tage richtig schnell vergangen sind“, sagt Pheline. „Ich könnte ruhig nochmal eine Woche hier Urlaub machen.“ Doch die Ferien nähern sich dem Ende. Am Samstag wird Pheline deshalb mit ihrer Gruppe wieder zurück nach Dortmund reisen – mit vielen Fotos und noch mehr schönen Erinnerungen.

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