Aufgeblasenes Gehabe

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Aufgeblasenes Gehabe

Christoph Plate
Christoph Plate
 (Foto:
Roland Rasemann
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sz Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) spricht als erster Geheimdienstmann aus, was viele denken: Der Putschversuch im Sommer 2016 in der Türkei wurde nicht von der Gülen-Bewegung organisiert. Gleichzeitig betont Bruno Kahl aber auch, dass der Aufstand gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht vom türkischen Staat geplant worden sei. Andere Geheimdienste in Ländern der EU gehen dagegen inoffiziell von einer direkten Beteiligung Erdogan-höriger Kreise am blutigen Umsturzversuch aus. Die Führung des BND hängt gewöhnlich nicht Verschwörungstheorien nach, umso markanter ist der öffentliche Zweifel des obersten deutschen Spions, der gleichzeitig versichert, dass man weiter mit den Türken zusammenarbeiten wolle.

Vorhersehbar und altbacken wirken dagegen die Reaktionen aus Ankara. Vernunft und Besonnenheit stehen dort im Moment nicht gerade hoch im Kurs, sondern es dominiert das aufgeblasene Gehabe gespielt beleidigter Männer. Die neuerlichen Nazi-Vorwürfe an Angela Merkel schaden vor allem dem Ansehen der Türkei selbst.

c.plate@schwaebische.de

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