Fusion-Jazz vom Bass-As: Thundercat in Berlin

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Fusion-Jazz vom Bass-As: Thundercat in Berlin
Thundercat
Ein Ass am Bass: Stephen Bruner alias Thundercat
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Berlin dpa Er gehört zu den derzeit schwer gehypten neuen Popstars, die mit Pop eigentlich nichts am Hut haben. Die Musik von Stephen Bruner alias Thundercat ist nämlich zu mindestens 70 Prozent lupenreiner Jazz, teilweise von der wilden, freien Sorte.

Wenn der 32-Jährige aus Los Angeles äußerst virtuos seine sechsseitige Bassgitarre bearbeitet, dann denkt man an Jaco Pastorius, Stanley Clarke oder Marcus Miller. Sein Fusion-Sound enthält auch Ingredienzen von Herbie Hancock, Weather Report oder George Duke.

Und doch ist das Yaam in Berlin am Sonntagabend proppevoll mit erwartungsvollen jungen Hipstern, die so gar nichts von angegrauten Jazz-Auskennern haben. Thundercat ist einer der Shootingstars dieses Frühjahrs, und das hat weniger mit seinen prominenten Einflüssen als mit seinen jüngsten Verdiensten zu tun.

Er war am epochalen Jazz/Soul/Gospel-Dreifachalbum von Kamasi Washington („The Epic“, 2015) beteiligt, ebenso an Kendrick Lamars Rap-Meisterwerk „To Pimp A Butterfly“. Er kennt angesagte Leute wie Pharrell, Wiz Khalifa und Flying Lotus, auf dessen Label Brainfeeder Ende Februar auch sein jüngstes Album „Drunk“ erschien.

Diese Platte mit 23 Tracks in gut 50 Minuten Spielzeit kommt etwas fragmentiert daher, weil manche Stücke nur kurz angespielt werden. Allerdings enthält „Drunk“ neben wuchtigem Jazz eben auch gerade so viele Anklänge an Prince, den Stevie Wonder der frühen 70er Jahre und den geschniegelten Westcoast-Rock von Steely Dan, dass ein breiteres Publikum fasziniert hinhört.

Das Berliner Trio-Konzert legt die Jazz-Wurzeln von Thundercat - dessen Vater Ronald Bruner Sr. als Schlagzeuger in diversen großen Soulbands tätig war - mit langen Jams indes klarer offen. Sein blubbernder, schnalzender Six-String-Bass, seine oft ins Falsett aufsteigende Stimme, die Soli von Dennis Hamm an E-Piano und Keyboards sowie das entfesselte Schlagzeugspiel von Justin Brown elektrisieren, werden aber im Gegensatz zu Pop auch mal anstrengend.

Während auf dem allerorten gefeierten Album „Drunk“ die Grenze zu Soul, Pop, Hiphop und Elektro häufiger gestreift wird, ist das etwa zweistündige Berliner Konzert also „the real stuff“. Wie zuletzt Kamasi Washington und Flying Lotus schafft Stephen Bruner einen Crossover der glaubwürdigen Sorte, der manche begeisterte Fans vom Sonntag dazu bringen dürfte, tiefer in der Jazz-Kiste zu wühlen.

Weitere Konzerte von Thundercat: 20.3. Hamburg, Mojo Club; 21.3. Köln, CBE

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