Star ist „Vogel des Jahres 2018“

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Janne Kieselbach und Christine Frischke
Star ist „Vogel des Jahres 2018“
 Stare auf den Geländern eines Piers im walisischen Aberystwyth: Im Herbst bilden die Vögel imposante Schwärme und fliegen in ihre Winterquartiere.
Stare auf den Geländern eines Piers im walisischen Aberystwyth: Im Herbst bilden die Vögel imposante Schwärme und fliegen in ihre Winterquartiere.
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dpa
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Berlin/Stuttgart dpa Er gilt als einer der markantesten heimischen Vögel – doch es steht ernster um den Star als man denken könnte. Um Aufmerksamkeit auf den Rückgang der Brutpaare zu lenken, haben Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Star zum Vogel des Jahres 2018 erklärt. Er folgt damit auf den Waldkauz, den „Vogel des Jahres 2017“.

„Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab“, erklärt Nabu-Präsidiumsmitglied Heinz Kowalski. Heute gebe es etwa eine Million Paare weniger als noch vor 20 Jahren, ein Rückgang um etwa ein Viertel . Der Bestand in Deutschland schwanke je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg zwischen drei und viereinhalb Millionen Paaren pro Jahr. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird die Art inzwischen als „gefährdet“ eingestuft.

Auch im Südwesten ist der Star auf dem Rückzug. „Am Bodensee hat die Zahl der Brutpaare zwischen 1980 und 2010 um ganze 38 Prozent abgenommen“, sagt Stefan Bosch, Vogelschutzexperte des Nabu Baden-Württemberg. „Es fehlt ihm zunehmend an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung, insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, sagte er. Zu schaffen macht dem Star unter anderem der Schwund von Insekten, der mit dem Einsatz von Spritzmitteln einhergeht. In Siedlungsräumen, wo er in Nistkästen oder Hohlräumen an Dächern und Fassaden seine Nester baut, fällt Lebensraum durch Bauvorhaben und Sanierungen weg. „Wer ihm und anderen Vögeln im Garten etwas Gutes will, verzichtet auf Insektizide und gestaltet seinen Garten naturnah, etwa mit einer Beerenhecke, die zwischen den Feldern leider immer seltener wird“, riet Bosch. In Baden-Württemberg gibt es noch etwa 320 000 Brutpaare.

Der Star ist für sein Talent bekannt, andere Vögel und Umgebungsgeräusche imitieren zu können. Er ahmt Hundebellen ebenso nach wie Alarmanlagen oder Handyklingeltöne. Im Herbst bilden Stare imposante Schwarmwolken, um in ihre Winterquartiere zu fliegen. Viele der Tiere ziehen aus Deutschland bis in den südlichen Mittelmeerraum oder nach Nordafrika. Andere Stare überwintern in Deutschland.

Winzer sehen Stare nicht gern

Die Winzer beklagen sich indes nicht über den Rückgang der Starenpopulationen. „Der Star ist kein gern gesehener Gast“, sagte Rolf Haxel, Präsident des Weinbauverbands Mosel. Gerade in den Randlagen der Weinberge sei nach dem Durchzug eines Schwarms oft keine einzige Beere mehr dran. „Die Stöcke sind ratzeputz leergefressen. Der Stil hängt dann dran wie eine Mumie.“ Die Weinbauern versuchten, die Stare mit Hilfe von blauen Vogelschutznetzen, automatischen Pyrotechnik-anlagen und Wächtern mit Schreckschusswaffen von den Weintrauben fernzuhalten. „Aber es ist so: Wenn Winzer A sie verscheucht, dann sitzen sie bei Winzer B. Die sind ja nicht dumm.“

Nabu und LBV vergeben den Titel „Vogel des Jahres“ seit dem Jahr 1971. Die Naturschutzorganisationen machen mit der Aktion auf die Gefährdung bestimmter Arten und ihrer Lebensbedingungen aufmerksam.

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